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Krisen vor dem Ersten Weltkrieg:Eulenburg-Affäre, 1907-1909

Kaiser Wilhelm II. an Bord der "Hohenzollern", 1904

Kaiser Wilhelm II. (zweiter von rechts) an Bord seiner Yacht Hohenzollern auf seiner Nordlandfahrt im Jahre 1904. Ebenso zu sehen ist Graf Kuno von Moltke (links), der auch in den Homosexualitäts-Skandal verwickelt war.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Er war nicht nur Diplomat, sondern auch vertrauter Freund des deutschen Kaisers Wilhelm II. - und am Ende brachte sein Privatleben beide in die Bredouille: Fürst Philipp zu Eulenburg war homosexuell.

Weil Homosexualität zu dieser Zeit aber unter Strafe stand, entspann sich um "Phili" zu Eulenburg, wie er im engsten Umfeld Wilhelms genannt wurde, einer der größten politischen Skandale der Kaiserzeit. In gleich mehreren Gerichtsverfahren ging es um angeblich homosexuelle Handlungen hochrangiger Politiker und Diplomaten.

Allen voran Eulenburg: Das Auswärtige Amt in Berlin entsandte ihn zunächst nach Wien, auch weil Homosexualität dort vergleichsweise milde geahndet wurde. In Österreich beschattete ihn die Geheimpolizei, angeblich um Erpresser fernzuhalten - doch der Plan misslang. Ein Wiener Bademeister verlangte 60.000 Mark, Eulenburg zahlte - und verlangte das Geld vom deutschen Staat zurück.

Ein Militärattaché wird zur Hilfe gerufen - und wird zum Problem

Um die Lage zu entschärfen, stellte Wilhelm II. ihm in Wien Graf Kuno von Moltke als Militärattaché zur Seite. Allerdings verschärfte diese Personalie die Lage nur: Kurze Zeit später beginnen die beiden eine Affäre. Ausgerechnet Moltkes Ehefrau deckte das Verhältnis auf und drohte, es öffentlich machen. Dabei entging sie nur knapp einer Einweisung in die Psychiatrie. 1902 trat Eulenburg als Botschafter zurück, um möglichen Enthüllungen zuvorzukommen.

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Damit bewies er Weitsicht, denn die Affäre zwischen ihm und Moltke blieb nicht lange geheim: Der Arzt, dem sich Moltkes Frau anvertraute, behandelte auch den Publizisten Maximilian Harden. 1906 berichtet dieser in seiner Zeitschrift Die Zukunft über das Verhältnis von Moltke und Eulenburg und outet damit beide als schwul. Gemeinsam mit Moltke forderte Eulenburg von der Staatsanwaltschaft, gegen Harden vorzugehen - doch die lehnt es ab, Ermittlungen aufzunehmen.

Auch Reichskanzler von Bülow geriet unter Verdacht

Später wurde auch Reichskanzler Bernhard von Bülow in den Skandal verwickelt, indem man ihm homosexuelle Neigungen vorwarf. Auch der Kaiser selbst geriet zwischenzeitlich in Verdacht, mit Eulenburg ein Verhältnis zu haben. Anlass der Spekulationen war, dass sich Wilhelm auf Jagdausflügen mit Eulenburg das Zimmer geteilt hatte und Eulenburg überdies bei einem der Gerichtsprozesse aussagte, "vor seiner Majestät weder privat noch sonst irgendwelche Geheimnisse" zu haben.

Willhelm II. zog aus der Affäre private Konsequenzen: Noch bevor es zum Prozess gegen Eulenburg kam, hat Wilhelm II. im Mai 1907 den Kontakt zu seinen unter Verdacht geratenen Freunden abgebrochen. Der Prozess gegen den ehemaligen Diplomaten Eulenburg endete nach drei Monaten. Während der Verhandlungen wurde der Angeklagte im Gerichtssaal ohnmächtig und für verhandlungsunfähig erklärt

Der Ruf des Kaisers hatte durch die Affäre erheblich gelitten.