Krisen vor dem Ersten Weltkrieg Erste Marokkokrise, 1904-1906

Im andalusischen Algeciras wurde die Erste Marokkokrise mit einer Konferenz im Hotel "Reina Cristina" beendet. Im Bild: der Landungsplatz von Algeciras im Konferenzjahr, im Hintergrund der Felsen von Gibraltar.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Auf dem Spiel standen nicht weniger als Macht und Einfluss im nördlichen Afrika: In der Ersten Marokkokrise führten die unterschiedlichen kolonialen Ansprüche der europäischen Großmächte zu deutlichen Reibereien. Seit 1880 hatten sich diese mit dem Madrider Abkommen gegenseitig zugesichert, im Rahmen der "Politik der offenen Tür" einen gleichmäßigen Zugang zu Marokko aufrechtzuerhalten.

Frankreich strebte jedoch die Vorherrschaft im Maghreb an und bemühte sich nach Kräften, das Abkommen von 1904 an zu unterminieren. Das wiederum passte dem Deutschen Reich unter Wilhelm II. überhaupt nicht - Berlin sah Frankreich als "Erbfeind", hatte wirtschaftliche Interessen in Nordafrika und drang darauf, die "Politik der offenen Tür" wie vereinbart fortzusetzen.

Der Kaiser zu Besuch beim Sultan von Marokko

Wilhelm II. verhalf den deutschen Interessen am 31. März 1905 mit einem Besuch beim marokkanischen Sultan in Tanger zu besonderem Ausdruck. In Frankreich wurde das Treffen äußerst kritisch beäugt. Im Jahr darauf sollte der Streit um den Status Marokkos bei einer Konferenz im spanischen Algeciras beigelegt werden: Das Deutsche Reich versuchte, Frankreich politisch auszustechen und die Verbindungen zwischen Paris und London zu schwächen.

Doch der Plan ging nicht auf, das Gegenteil trat ein: Im Ergebnis der Konferenz, das in der Algeciras-Akte festgehalten wurde, wurden Frankreich weitreichende Befugnisse in Marokko zuerkannt - und das Deutsche Reich stand in Europa noch isolierter dar.