Krise in Kenia Touristen werden ausgeflogen

Reiseveranstalter aus mehreren europäischen Ländern haben Touristen aus Kenia zurückgeholt. Die Tourismusindustrie befürchtet ein Desaster.

Die Tourismusindustrie in dem ostafrikanischen Land ist zunehmend besorgt über langfristige Folgen des politischen Konflikts um den umstrittenen Wahlsieg von Präsident Kibaki.

Wartende Passagiere auf dem Flughafen im kenianischen Kisumu.

(Foto: Foto: dpa)

"Die nächsten 24 Stunden werden entscheidend sein, ob wir den Touristikbereich retten können", betonte in Kenia Khalid Shapi, Geschäftsführer eines Veranstalters von Safarireisen, in einem am Freitag in der Zeitung Daily Nation veröffentlichten Bericht.

Die Außenministerien in Berlin und anderen europäischen Ländern hatten von nicht unbedingt notwendigen Reisen nach Kenia abgeraten. "Touristen, die bereits im Land sind, verlassen Kenia vorzeitig", klagte Kuldip Sondhi, Vorsitzender des Touristikverbands an der Küste und selbst Besitzer einer Hotelgruppe.

"Wenn das Chaos in der nächsten Woche anhält, können wir dem Tourismus Lebewohl sagen." Hotelbetreiber berichteten von zahlreichen Stornierungen. Sollten sich die Herkunftsländer der Urlauber entschließen, alle Touristen auszufliegen, wäre das ein harter Schlag für eine der wichtigen wirtschaftlichen Säulen des Entwicklungslandes.

Am Flughafen von Mombasa traf bereits ein Flugzeug ein, das Urlauber zur vorzeitigen Rückkehr nach Frankreich an Bord nahm. Britische Reiseveranstalter schickten ebenfalls Maschinen in das Land, um Urlauber auszufliegen. Reisen nach Kenia wurden bis zum kommenden Montag ausgesetzt.

Linienflüge von British Airways, Virgin Atlantic und Kenya Airways wurden aber nicht abgesagt. Wie der Reiseveranstalter TUI am Freitag in Amsterdam mitteilte, sollten in der Nacht zu diesem Samstag auch rund 200 niederländische Touristen nach Hause geholt werden. Auch Niederländer, die bei anderen Reiseveranstaltern gebucht hätten, könnten sich für den Charterflug melden.

In Kenia ist derzeit Hauptsaison. Im afrikanischen Sommer wollen zahlreiche Urlauber dem kalten Europa entfliehen und besuchen die Strandhotels am Indischen Ozean oder die Nationalparks im Landesinneren. Auch in Mombasa, der wichtigsten Küstenstadt, war es in den vergangenen Tagen nach den umstrittenen Präsidentenwahlen zu Unruhen gekommen.

Der Sprecher des kenianischen Fremdenverkehrsbüros in Deutschland, Birger Meierjohann, betonte jedoch auf der Touristikmesse Chemnitzer Reisemarkt: "Die Unruhen sind in den Städten, die Küsten und Nationalparks sind sicher." Für die Urlauber bestehe keine Gefahr, auch nicht bei der An- und Abreise. Meierjohann räumte aber ein, dass das Land einen herben Imageschaden erleide.