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Krise im Irak:USA schicken bis zu 200 weitere Soldaten nach Bagdad

"Vom Glauben abgefallen": Islamische Gelehrte aus aller Welt üben scharfe Kritik an den Isis-Milizen, die in Teilen des Iraks und Syriens ein Kalifat ausgerufen haben. Die irakischen Regierungstruppen liefern sich weitere Gefechte mit der Terrororganisation. Die USA schützen ihre Botschaft in Bagdad mit 200 weiteren Soldaten.

  • USA schicken weitere Soldaten nach Bagdad
  • Islamische Gelehrte verurteilen das von Isis ausgerufene Kalifat.
  • Im Irak halten die Gefechte mit den Isis-Milizen an. Die Regierungstruppen haben eigenen Angaben zufolge Teile der Stadt Tikrit zurückerobert.

Islamische Gelehrte lehnen Kalifat ab

Islamische Gelehrte aus aller Welt lehnen das von der Terrorgruppe Isis ausgerufene Kalifat ab. In ihren Botschaften verkünden sie, kein Muslim sei verpflichtet, dem selbst ernannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi seine Loyalität auszusprechen. Die Isis-Terroristen, die Teile des Iraks und Syriens kontrollieren, werden von vielen Gelehrten als unislamisch bezeichnet, weil sie den Tod von anderen Muslimen in Kauf nehmen.

So nannte der marokkanische Gelehrte Umar al-Hadduschi arabischen Medien zufolge den Isis-Kommandanten al-Baghdadi einen "vom Glauben abgefallenen". Und der ägyptische islamistische Prediger Hani al-Sibai verbreitet auf Twitter eine Warnung an die Isis-Kämpfer, Gott sei nur mit den Aufrechten. Al-Sibai wünscht der irakischen Regierung, "trotz meiner Kritik an ihr", Erfolg im Kampf um die von den Isis eingenommene Stadt Mossul.

Schwere Gefechte zwischen Regierungstruppen und Isis-Milizen

Einheiten der Regierung setzen ihre Offensive auf Tikrit nordwestlich von Bagdad fort und nehmen nach eigenen Angaben Teile der Stadt ein. Irakische Aufständische melden zugleich, sie hätten den Luftwaffenstützpunkt "Camp Speicher" in der Nähe von Tikrit erobert.

Tikrit liegt etwa 140 Kilometer nordwestlich von Bagdad und ist neben Mossul eine der größten Städte in der Hand der Dschihadisten. Tikrit ist strategisch wichtig, weil sie an einer Hauptverbindungsstraße zwischen dem Norden des Landes und Bagdad liegt.

Kampfhubschrauber der Armee attackierten am Montag auch den Ort Baidschi, wie irakische Medien berichten. Nach Informationen des Nachrichtenportals Shafaaq News starben dabei sechs Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. In Baidschi, 200 Kilometer nördlich von Bagdad, stehen eine seit Wochen umkämpfte große Ölraffinerie und ein Kraftwerk.

USA schützen ihre Botschaft in Bagdad

Um für die Sicherheit ihrer Landsleute zu sorgen, entsenden die USA bis zu 200 weitere Soldaten zum Schutz ihrer Botschaft in der irakischen Hauptstadt Bagdad sowie des dortigen internationalen Flughafens. Das kündigte US-Präsident Barack Obama in einem Schreiben an den Kongress in Washington an. Mitte Juni hatte er bereits die Entsendung von bis zu 275 Soldaten verkündet, die US-Bürger und die Botschaft im Irak schützen sollen. Zudem sollen bis zu 300 US-Militärberater die irakische Armee im Kampf gegen die Dschihadisten unterstützen.

Parlament in Bagdad kommt zu Beratung über neuen Regierunschef zusammen

In Bagdad tritt an diesem Dienstag erstmals das neu gewählte Parlament zusammen. Es soll einen Regierungschef wählen. Der umstrittene schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki möchte im Amt bleiben, braucht dafür trotz seines Wahlsiegs von Ende April jedoch Koalitionspartner.

Schiitische, sunnitische und kurdische Politiker verlangen seinen Rückzug. Sie werfen ihm vor, seine von Schiiten dominierte Regierung diskriminiere die Sunniten im Land und habe so den Boden für den Isis-Vormarsch bereitet. In Bagdad werden neben al-Maliki auch die beiden schiitischen Politiker Adel Abdel Mahdi und Ahmed Dschalabi als mögliche Ministerpräsidenten gehandelt. Dass es bereits am Dienstag zur Wahl einer neuen politischen Führung kommt, ist nicht zu erwarten.

Hintergrund: Was Isis will

Der Irak droht wegen des Konflikts zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden in einzelne Regionen zu zerfallen, seit die Isis-Miliz im Land aktiv ist. Die Isis kämpft sowohl im Irak als auch in Syrien gegen die dortigen Regierungen. Die Organisation will die von ihr kontrollierten Gebiete über die Grenze hinweg verbinden und einen islamistischen Gottesstaat errichten. Syrische Al-Qaida-Kämpfer hätten sich an der Grenze zum Irak den Isis-Rebellen angeschlossen, berichtete die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Damit stärke die Isis ihre Position auf beiden Seiten der Grenze.

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© SZ.de/dpa/Reuters/AFP/sks/mike

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