Seine Regierung, so Bundeskanzler Friedrich Merz vor wenigen Wochen in einem Interview, habe es mit einer blockierten Republik zu tun. Das mache es schwer, grundlegende Veränderungen durchzusetzen. In der jungen Bundesrepublik sei das ganz anders gewesen. Grundsatzentscheidungen seien möglich gewesen, die Politiker hätten ein weißes Blatt Papier vor sich gehabt, jede politische Entscheidung habe damals das Land nur besser machen können. Man kann darüber streiten, ob das tatsächlich so war, ob nicht doch in den Jahren nach 1949 schwierige Richtungsentscheidungen getroffen wurden und getroffen werden mussten, deren Richtigkeit sich nicht sofort erwies. Konrad Adenauer selbst, der erste Bundeskanzler, blieb bis ans Ende seines Lebens pessimistisch, sah die Bundesrepublik trotz Wirtschaftswunders und Westintegration stets gefährdet, die Demokratie nicht gesichert. Der „Staatsmann der Sorge“, so Golo Mann, traute seinen Landsleuten nicht. Für ihn blieben die Deutschen anfällig für die autoritäre Versuchung, sobald ihnen der Wind ins Gesicht blies. Für wirklich krisenfest hielt er die westdeutsche Demokratie nicht.
Buch über die „blockierte Republik“Wie schaffen wir es aus der Krise?
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„Wir können uns mehr zumuten, wenn wir nur wollen“, schreibt der Historiker Frank Trentmann mit Blick auf die zahllosen aktuellen Krisen und die Erfolge der alten BRD. Aber kann der Blick zurück überhaupt helfen auf dem Weg in die Zukunft?
Rezension von Eckart Conze

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