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Kriminalität:Weiterer Brandanschlag auf türkischen Verein in Deutschland

Weitere Entwicklung nach dem Brandanschlag auf Berliner Moschee

Nach dem Brandanschlag auf eine Berliner Moschee wurden dort Fahnen und Plakate aufgehängt. Ähnliche Anschläge haben sich zuletzt gehäuft und könnten politisch motiviert sein.

(Foto: dpa)
  • In den letzten Tagen gab es mehrere Brandanschläge auf türkische Vereine und Moscheen in Deutschland.
  • Spuren führen zu kurdischen Aktivisten. Hintergrund könnte der Angriff türkischer Truppen auf die kurdische Stadt Afrin in Syrien sein.
  • Die türkische Regierung fordert die Bundesregierung auf, die Taten bald aufzuklären.

Im münsterländischen Ahlen hat es einen weiteren Brandanschlag auf eine türkische Einrichtung gegeben. Unbekannte schleuderten dort am frühen Montagmorgen mehrere Brandsätze gegen ein Kulturzentrum, wie die Polizei mitteilte. Einen politischen Hintergrund schloss sie nicht aus.

Bereits am Wochenende war es zu einigen ähnlichen Vorfällen gekommen. In der Nacht zum Sonntag wurden fast zeitgleich Brandsätze in eine Moschee in Berlin und an ein Gebäude des türkisch-deutschen Freundschaftsvereins im nordrhein-westfälischen Meschede geworfen. Am Freitag hatten Unbekannte Brandsätze in eine Moschee in Lauffen nahe Heilbronn geschleudert. In diesem Fall wird wegen Verdachts des versuchten Mordes und der schweren Brandstiftung ermittelt.

Spuren führen zu kurdischen Aktivisten

Verletzt wurde bei allen Anschlägen nach bisherigem Stand niemand. Allerdings häufen sich die Hinweise auf einen politischen Hintergrund. Im Internet tauchten Videos der Anschläge in Lauffen und in Meschede auf. Veröffentlicht wurden sie von einer Initiative kurdischer Aktivisten. Ein Sprecher der Arnsberger Staatsanwaltschaft stufte das Video aus Meschede als vermutlich authentisch ein. Als Verdächtige wurden dort drei Syrer festgenommen, die ihre Tatbeteiligung aber bestritten. Der Anschlag habe den rechtsextremen türkischen "Grauen Wölfen" gegolten, hieß es auf einer kurdischen Website.

In Nordrhein-Westfalen wurden sämtliche Polizeieinheiten in erhöhte Bereitschaft versetzt. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, es sei damit zu rechnen, "dass sich die seit dem Wochenende zu beobachtende Eskalation in der kurdischen Community weiter fortsetzt".

Syrien

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Die Berliner Polizei hatte zuvor bereits in Bezug auf den Anschlag in einer Moschee mitgeteilt, nach derzeitigen Erkenntnissen werde "von einer politisch motivierten Straftat ausgegangen". Zeugen hätten an der Moschee ein Klirren gehört und drei Jugendliche gesehen, die weggelaufen seien. Eine Fensterscheibe war eingeworfen worden, der Hauptraum sei komplett ausgebrannt. Die meisten Räumlichkeiten der Moschee seien nicht mehr nutzbar, teilte die Gemeinde mit.

Der Berliner Integrationsbeauftragte Andreas Germershausen wertete den Anschlag als Terror. "Es ist nicht wichtig, welchen politischen Hintergrund die Taten haben. Wer Gotteshäuser anzündet, dem geht es nur um ein Ziel: Angst und Einschüchterung zu verbreiten. Dem geht es darum, eine Bevölkerungsgruppe zu terrorisieren." Womöglich stehe der Berliner Angriff in der Nacht zum Sonntag in Zusammenhang mit dem Angriff türkischer Truppen auf das kurdische Afrin in Syrien.

Inzwischen hat die türkische Regierung reagiert und Anschuldigungen erhoben. "Wir beobachten mit Sorge, dass Angriffe auf türkische Moscheen in Deutschland durch rassistische und anti-islamische Gruppen sowie die Terrororganisation PKK zuletzt zugenommen haben", teilte das Außenministerium in Ankara mit. "Wir erwarten von den deutschen Behörden, dass sie die Verantwortlichen für diese Angriffe sobald wie möglich aufspüren und bestrafen und dass sie alle Maßnahmen ergreifen, damit keine ähnlichen Angriffe stattfinden."

Die Ditib-Moscheen waren zuletzt wegen ihrer engen Beziehungen zur türkischen Regierung in die Kritik geraten. Kurdische Gruppen hatten den Gemeinden vorgeworfen, sie betrieben in den Gotteshäusern "Kriegspropaganda". In der Region Afrin geht die türkische Armee seit dem 20. Januar mit einer Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG vor. Die Türkei stuft die YPG wegen ihrer Verbindungen zur PKK als Terrororganisation ein.