Polizeiliche Kriminalstatistik:Weniger Straftaten, aber mehr sexualisierte Gewalt gegen Kinder

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Polizeiliche Kriminalstatistik: Innenministerin Nancy Faeser stellt die Polizeiliche Kriminalstatistik vor.

Innenministerin Nancy Faeser stellt die Polizeiliche Kriminalstatistik vor.

(Foto: IMAGO/Thomas Imo/IMAGO/photothek)

Die Zahl registrierter Verbrechen geht zurück, die Aufklärungsquote erreicht einen neuen Höchststand. Doch bei Missbrauch und kinderpornografischen Schriften spricht Innenministerin Faeser von einem "entsetzlichen Ausmaß".

Von Sina-Maria Schweikle

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) kann bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik für das zurückliegende Jahr mit einer guten Nachricht aufwarten: "Die Statistik zeigt in den meisten Bereichen eine positive Entwicklung." Deutschland sei ein sicheres Land und ein starker Rechtsstaat. Seit 2016 verzeichne die Kriminalstatistik sinkende Fallzahlen. Mit knapp mehr als fünf Millionen Straftaten sei ein neuer Tiefstwert bei der Kriminalität in Deutschland erreicht worden. Dagegen habe die Aufklärungsquote von 58,7 Prozent einen neuen Höchstwert erreicht.

Deutlich gesunken seien die Fallzahlen beispielsweise um jeweils etwa zwölf Prozent bei Straftaten in Bezug auf das Waffengesetz und bei Diebstahlsdelikten sowie um etwa 28 Prozent bei Wohnungseinbrüchen. Die Gewaltkriminalität verzeichnet laut Kriminalstatistik einen Rückgang von 6,8 Prozent. Dieser sei auch auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, während der es Taschendiebe und Einbrecher im vergangenen Jahr schwerer hatten, Opfer zu finden, weil viele Menschen oft zu Hause waren. Auch in den Jahren zuvor hatte es bereits weniger registrierte Wohnungseinbrüche gegeben.

Doch "da wo Licht ist, ist auch immer Schatten", sagt Faeser. So habe die Polizei im vergangenen Jahr erneut mehr Fälle von sexualisierter Gewalt an Kindern sowie eine Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen registriert. Wie aus der Kriminalstatistik hervorgehe, wurden 2021 etwa 15 500 Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern gemeldet. Das entspreche einem Anstieg von 6,3 Prozent. Die Zahl der registrierten Fälle von Verbreitung, Erwerb, Besitz oder Herstellung sogenannter kinderpornografischer Schriften habe sich mehr als verdoppelt. Faeser spricht von einem "entsetzlichen Ausmaß". Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Kinder zu schützen. Das habe für die Bundesregierung höchste Priorität.

Auch die Cyberkriminalität sei um etwa zwölf Prozent angestiegen. Weitere Herausforderungen sieht Faeser in den Ausschreitungen bei Corona-Protesten, bei denen vermehrt auch Polizistinnen und Polizisten angegriffen wurden. Diese Übergriffe würden sich in den Fallzahlen zu politisch motivierter Kriminalität widerspiegeln, die im Mai vorgestellt werden sollen.

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