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Kriminalität:Bei Lesung bedroht

Die Idylle in San Luca: Die 'Ndrangheta ist in diesem Ort sehr präsent.

(Foto: Foto: AFP)

sueddeutsche.de: Warum sind gastronomische Betriebe so geeignet für die Mafiaclans?

Reski: Es gibt viele logistische Vorteile. Die Pizzerien sind zum Teil noch heute ideale Stützpunkte. Wenn die jungen Männer aus Kalabrien kommen, melden sie hier ihren Wohnsitz an. Daneben kann man sehr gut Geld waschen, weil man viele Rechnungen ausstellen kann. Außerdem sind die Lokale natürlich gute Treffpunkte.

sueddeutsche.de: Der Chef der Duisburger Mordkommission, Heinz Sprenger, sagt in Ihrem Buch, dass er keine Pizza mehr esse. Gehen Sie in Deutschland noch in Pizzerien?

Reski: Selten. Übrigens wundern sich Italiener immer darüber, warum die Pizzerien in Deutschland so häufig von Kalabriern betrieben werden - obwohl die Pizza in Italien nicht gerade als kalabrisches Gericht bekannt ist. Manche Restaurants in Deutschland erinnern mich an bestimmte Lokale in Kalabrien, die äußerst luxuriös eingerichtet sind und höchstens zwei Gäste in der Woche haben. Anders als die Deutschen wissen die Kalabrier, welche Lokale zur 'Ndrangheta gehören und meiden sie. Aber es gibt in Deutschland natürlich auch Nobelitaliener mit hervorragendem Essen, die zur Mafia gehören.

sueddeutsche.de: Ihr Buch erscheint mit geschwärzten Seiten, weil einige italienische Unternehmer vor Gericht dagegen klagten, in Zusammenhang mit Mafia-Ermittlungen des Bundeskriminalamts genannt zu werden. Dabei sind deren Verbindungen auch in italienischen Justizakten gut dokumentiert.

Reski: Diese Herren, vor allem Antonio Pelle aus Duisburg, in dessen Hotel 2006 die italienische Nationalmannschaft logierte, benutzen ein Argument: Sie beschweren sich, in Sippenhaft genommen zu werden. Die Unterstellung, rassistisch zu sein, wurde den Deutschen nach dem Blutbad von Duisburg sehr häufig gemacht. Der andere Kläger, Spartaco Pitanti, war einst Besitzer der Pizzeria "Da Bruno" in Duisburg, und ist nun vor allem in Ostdeutschland aktiv.

sueddeutsche.de: Auf einer Lesung in Erfurt sind Sie sogar bedroht worden.

Reski: Direkt vor der Veranstaltung wurde mir eine einstweilige Verfügung übergeben. Das ist natürlich kein schöner Auftakt. Während der Lesung hieß es, ich hätte Lügen verbreitet, Geldwäsche sei in Deutschland gar nicht möglich, bis ein paar Italiener mich als "Mafiosa" beschimpften. Ein anderer Italiener verteidigte wortreich die Ehre jener beiden Protagonisten meines Buches, die mich verklagt haben und bemerkte am Ende seiner Ausführungen: "Frau Reski, ich bewundere Ihren Mut. Ich bewundere ganz außerordentlich Ihren Mut". Und das war keineswegs als Kompliment gemeint.

sueddeutsche.de: Hatten Sie Angst danach?

Reski: Es gab Momente, in denen ich Angst hatte.

sueddeutsche.de: Hatten Sie mit Klagen gegen Ihr Buch gerechnet?

Reski: Wenn man ein Buch über die Mafia schreibt, schafft man sich nicht nur Freunde. Mir war nur wichtig, alle Aussagen mit Dokumenten belegen zu können. Überrascht hat mich, dass dies von den deutschen Gerichten nicht anerkannt wurde. Ich habe eine eidesstattliche Erklärung des Vizechefs der nationalen Antimafiabehörde in Rom vorgelegt, der meine Darstellung bestätigte, aber das wurde nicht berücksichtigt.

Lesen Sie auf der nächste Seite, wie die Mafiaclans versuchen, die öffentliche Meinung in Deutschland zu manipulieren.

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