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Krim-Krise:Durchhalteparolen und patriotische Bekenntnisse

Die Angst geht um im Land vor einer Invasion russischer Truppen, und die neue Regierung in Kiew, die um ihr politisches Überleben kämpft, hat sich in Kriegsrhetorik gerettet, weil ihr sonst nicht viel bleibt. Übergangspräsident Alexander Turtschinow sagte nach dem Krim-Referendum, man werde niemals mit dem Anschluss eines Landesteils an Russland einverstanden sein. Und die ukrainischen Truppen sollten auf der Krim bleiben, denn diese bleibe ukrainisches Land. Durchhalteparolen, patriotische Bekenntnisse.

Alle ukrainischen TV-Sender zeigen ein Dauer-Signet: "Einige Ukraine". Und auf dem Maidan werden Schals und Abzeichen in den Nationalfarben verkauft, die Botschaft: Wir stehen zusammen gegen den neuen Feind.

Am Montag hat das Parlament mehr als 600 Millionen Dollar bewilligt, um die Armee besser auszurüsten, 40 000 Reservisten sollen einberufen werden, die vergangene Woche gegründete Nationalgarde soll eilig aufgebaut werden. Verteidigungsminister Igor Tenjuch ist nicht so kühn zu glauben, dass seine Armee im jetzigen Zustand etwas gegen die Russen ausrichten könnte. Maximal 130 000 ukrainische Soldaten gegenüber 800 000 russischen, 1,5 Milliarden Euro Militärbudget gegenüber 60 Milliarden, 4000 Panzer gegen 15 000. Aber Tenjuch kennt auch den Schuldigen: Ex-Präsident Viktor Janukowitsch habe die Streitkräfte systematisch ausgehungert, sagt er auf einer Pressekonferenz in Kiew, und er sei dankbar dafür, dass die neue Regierung nun so schnell zusätzliche Mittel zur Verfügung stelle.

Zuvor hatte Premierminister Arsenij Jazenjuk in dramatischen Worten bezeugt, dass man kampfbereit sei: Die Ukraine werde bei einer weiteren Eskalation durch Russland militärisch reagieren. "Wir sprechen über Krieg", hatte Jazenjuk auf dem EU-Gipfel in Brüssel gesagt. "Wir werden unser Land schützen."

Zwar betont Russlands Präsident Wladimir Putin, man habe nicht vor, im Osten der Ukraine einzumarschieren - es sei denn, russisches Leben sei in Gefahr. Aber in Kiew ist man nach der Erfahrung auf der Krim mehr als skeptisch: Putin schicke Provokateure in den Osten, um die Menge aufzuwiegeln, daher sei mit dem Schlimmsten zu rechnen. Die jungen und alten Männer, die sich bei der Nationalgarde beworben haben, sind schon einen Schritt weiter.

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