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Kriegsverbrechen in Burundi:Im Schatten von Ruanda

Abgesehen davon ist er ständig damit beschäftigt, Querschläger in seiner instabilen Regierung zu beseitigen. Gerade hat er fünf Minister auf einmal entlassen und behauptet, es würde ein Putsch gegen ihn vorbereitet. Erzbischof Ntamwana sagt allerdings, der Präsident habe gar kein Interesse an der Wahrheitskommission. Das ist gut möglich. Schließlich war Nkurunziza im Krieg ein Rebellenführer. Wer weiß, welche Schandtaten zutage kämen, wenn er die Fragen einer Untersuchungskommission beantworten müsste.

Reden lernen im Theater

Solange der Staat die Kriegsverbrechen nicht aufklärt, bleiben vorläufig nur die frommen Versöhnungsversuche der Kirche. Barthélemy Ntakarutimana arbeitet in einem solchen Projekt an der Universität in der Hauptstadt Bujumbura.

Er studierte dort in den neunziger Jahren Landwirtschaft und erinnert sich noch gut an den 10. Juli 1995. Um zwei Uhr nachts gingen Tutsi- und Hutu-Studenten im Wohnheim plötzlich aufeinander los. Es hat mindestens zehn Tote und viele Verletzte gegeben. "Wir waren fassungslos, wir hatten plötzlich alle Angst voreinander", sagt Barthélemy. Es musste etwas geschehen. Die Kirche hat sich der Studenten angenommen, und Barthélemy hat gleich mitgemacht.

Seither versucht er, den jungen Menschen an der Universität beizubringen, dass Hutu und Tutsi gleichermaßen Menschen sind. Er lässt sie gemeinsam Theater spielen und diskutieren. Sie sollen wieder Vertrauen zueinander fassen. Manche müssen erst lernen, dass man überhaupt miteinander sprechen kann. Die Studenten haben auch den Politikern klargemacht, dass sie auf dem Campus nicht mehr erwünscht sind. Früher kamen die Funktionäre und haben die jungen Hutu und Tutsi in Propagandareden gegeneinander aufgehetzt.

Barthélemy findet, das Versöhnungsprojekt klappe ganz gut. Er ist jetzt 35 Jahre alt und hat selten solche friedlichen Zeiten erlebt wie jetzt. Ob er Hutu oder Tutsi ist, will er vor den versammelten Studenten aber nicht sagen. Es könnte ja sein, dass ihm doch einer Böses will.

© SZ vom 30.7.2007
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