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Kriege im 21. Jahrhundert:Schlachtfelder der Zukunft

Die Menschheit hat neue Orte gefunden, um zukünftige Kriege auszufechten. Nun geht es darum, sich vorzubereiten auf Schlachten in der Arktis, dem Weltraum - oder dem Cyberspace.

Wenn politische Führer darüber nachdenken, wo künftige Kriege ausgefochten werden, richten sich ihre Augen meist auf die Brennpunkte der Landkarte. Sie überlegen, welcher Staat als nächstes zusammenbricht (Pakistan, Jemen?) oder zum nächsten Krisenherd wird (Iran, Korea?). Jene, die sich als Bismarcks unserer Tage betrachten und um breit angelegte Großstrategien ringen, neigen dazu, den Globus mehr wie verbundene tektonische Platten zu sehen. Ihr Augenmerk gilt aufstrebenden Mächten wie China und Indien, die die geopolitische Landschaft verändern. Diese Strategen schauen üblicherweise darauf, wo sich regionale Einflusssphären überlappen - auf der Suche nach den Bruchlinien, von denen das nächste Erdbeben ausgehen könnte. Aber wenn man einen Schritt von der Landkarte zurücktritt, wird etwas anderes klar: Es treten noch größere Verschiebungen auf, die Einfluss darauf haben werden, wo im kommenden Jahrhundert auf neue Art Kriege geführt werden.

Erprobungssatellit GSTB-V2/A für das Navigationssystem 'Galileo', 2005

80 Prozent der Kommunikation in den USA ist satellitengestützt. Für mögliche Angriffe ein lohnendes Ziel.

(Foto: ddp)

Von den ersten prähistorischen Schlachten um neue Jagdgründe bis zu den europäischen Kriegen um Gold in der Neuen Welt (man könnte die jüngeren Konflikte über Ölvorkommen im Nahen Osten hinzufügen): Wann immer Menschen neue Stätten von Wert entdeckt haben, haben sie in der Regel darum gekämpft. In dem Maß, in dem wir die weißen Flecken auf der Landkarte immer weiter getilgt haben, waren es neue Technologien, die neue Räume für den Wettstreit erschlossen. 5000 Jahre lang kämpften Menschen nur an Land und auf der Wasseroberfläche. Dann, an der Wende zum vergangenen Jahrhundert, erlaubten Technologien, die es kurz zuvor nur in Geschichten von Jules Verne gegeben hatte, den Kombattanten des Ersten Weltkriegs unter Wasser und auch in der Luft zu kämpfen. U-Boot-und Luftkriege verlangten nach neuen Truppenteilen, aber auch neuen Gesetzen, die diese Kriege regelten.

Hier zeichnet sich eine Reihe von Parallelen für das 21. Jahrhundert ab. Für die Arktis etwa hat sich in politischen Kreisen lange niemand interessiert. Aber durch Veränderungen, die unsere Technologien im globalen Klima verursacht haben, erwärmen sich die Gewässer. Dadurch lassen sich neue schiffbare Handelswege und Fundstätten für Energie- und Mineralreserven erschließen auf diesem einst weißen Fleck der Landkarte. Dort könnten soviel Öl und Gas liegen wie in Saudi-Arabien.

Wenn sich ein neuer Teil der Welt öffnet, ergeben sich daraus neue Sicherheitsfragen; tatsächlich hat es kein derart großes Gebiet mit offenen Territorialfragen gegeben, seit Papst Alexander VI. 1493 versuchte, die neue Welt zwischen Spanien und Portugal aufzuteilen - was Krieg von Seiten jener Mächte hervorrief, die nicht an dem Deal beteiligt wurden. Heute bereiten sich verschiedene Akteure auf einen Wettlauf am Pol vor, auch wenn Konflikt alles andere als unvermeidlich ist. Ein Berater des russischen Premierministers Wladimir Putin erklärte: 'Die Arktis gehört uns.' Kanada, Norwegen, die USA und selbst nicht an die Arktis grenzende Nationen wie China scheinen anderer Meinung zu sein und haben begonnen, ihre Fähigkeiten auszubauen, um ihre Ansprüche abzustecken.

Vergleichbares geschieht im Weltraum: Ein einst unzugängliches Gebiet gewinnt rasch an wirtschaftlichem und militärischem Wert. Das Reich der Filme von Fritz Lang und George Lucas ist heute bevölkert von 947 in Betrieb befindlichen Satelliten, hinaufgeschossen von mehr als 60 Ländern. Durch sie strömt der Lebenssaft des weltweiten Handels und der Kommunikation wie auch militärischer Operationen. 80 Prozent der Kommunikation in den USA ist satellitengestützt. In einer ironischen Anspielung auf Clausewitz hat US-Luftwaffengeneral Lance Lord den Weltraum als 'neues Zentrum der Schwerkraft' beschrieben. Das Pentagon hat mehr als 20 Studien zur Kriegsführung im All anfertigen lassen.

Wie Generalmajor Ya Yunzhu von der Akademie der Militärwissenschaften der chinesischen Volksarmee gewarnt hat, werden die USA, 'wenn sie glauben, dass sie eine Weltraum-Supermacht sein werden, natürlich nicht alleine sein'. China hat die USA im vergangenen Jahr hinsichtlich der Anzahl von Raketenstarts überholt und plant, in diesem Jahrzehnt 100 weitere zivile und militärische Satelliten hinzuzufügen. Wichtiger noch, beide Staaten haben in den vergangene Jahren wiederholt ihre Fähigkeit demonstriert, Satelliten kinetisch zu zerstören. Russland, Indien, Iran und sogar nichtstaatliche Akteure wie die Befreiungstiger in Sri Lanka haben ebenfalls versucht, Satelliten zu stören, oder an Operationen gearbeitet, die sich gegen Ziele im Weltraum richteten.