bedeckt München
vgwortpixel

Pakt zwischen Kurden und syrischer Regierung:Ankara reagiert trotzig

Militäroffensive der Türkei in Syrien

Syrische Oppositionskämpfer, die von der Türkei unterstützt werden, jubeln im türkischen Akçakale, nachdem sie aus dem syrischen Tall Abjad über die Grenze gekommen sind.

(Foto: dpa)
  • Ankara verkündet neue Erfolge im Kampf gegen kurdische Milizen. Damaskus wiederum meldet, dass Truppen des Regimes nun wieder im Kurdengebiet stünden.
  • Wie so oft ist die Lage in Syrien unübersichtlich. Manche stellen sich die Frage, ob es eine Übereinkunft zwischen Russen, Türken und Syrern gibt.
  • Klar ist nur, dass sie alle drei auf den Abzug der US-Truppen gewartet haben.

Es ist der sechste Tag der türkischen Militäroperation in Nordsyrien, und das türkische Frühstücksfernsehen serviert Siegesmeldungen. So als sei über Nacht nicht ein neuer Feind an den Grenzen der Türkei aufgetaucht: die syrische Armee. Die steht am Montagmorgen schon in Tel Tamer, nur 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Die Bewohner des Ortes hätten die syrischen Soldaten freundlich begrüßt, schreibt die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana und fügt hinzu: Die syrische Armee werde "der türkischen Aggression entgegentreten".

Kein Wort davon in den regierungsnahen türkischen TV-Kanälen. Es wirkt, als wüssten die Sender erst einmal nicht, wie sie mit der neuen Lage umgehen sollen. So zeigen sie wieder Bilder vom Vortag, von einem Auftritt Recep Tayyip Erdoğans in Istanbul. Der Präsident versicherte da, "wir werden nicht stoppen".

Erst gegen Mittag wird bekannt, dass von Sonntagabend bis Montagmorgen ein Krisenstab tagte, der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar hatte die wichtigsten Generäle zusammengerufen, auch Geheimdienstchef Hakan Fidan war anwesend. Es habe während der Nachtsitzung auch telefonische Abstimmungen mit den USA und mit Russland gegeben, berichtet das regierungsnahe Blatt Habertürk. Details gibt es nicht. Dass die syrisch-kurdischen Kämpfer der YPG-Miliz sich nur einige Stunden davor in eine Allianz mit der Regierung von Präsident Baschar al-Assad geflüchtet hatten, wird in den Laufbändern der türkischen TV-Sender da immer noch in Anführungszeichen geschrieben, als "Behauptung" bezeichnet.

Politik Syrien Kurden rufen Assads Truppen zur Hilfe
Nordsyrien

Kurden rufen Assads Truppen zur Hilfe

Die Kurden hatten während des Bürgerkriegs weitgehend die Kontrolle in Nordsyrien übernommen. Dass sie nun Syriens Präsident um Hilfe im Kampf gegen die Türkei bitten, zeigt ihre verzweifelte Lage nach dem Rückzug der USA.

Trumps Twitter-Tirade

Bevor sich die Kurden mit Assad verständigten, hatte US-Präsident Donald Trump noch den vollständigen Abzug der etwa 1000 US-Soldaten aus Nordsyrien verkündet. Von den US-Beobachtungsposten entlang der Grenze hatten sich die US-Truppen auf Anweisung Trumps schon vor der türkischen Offensive zurückgezogen. Das verstand Ankara als Signal zum Angriff.

Am Sonntagabend twittert Trump dann: "Sehr klug, sich zur Abwechslung nicht in die intensiven Kämpfe entlang der türkischen Grenze einzumischen. Jene, die uns irrtümlich in die Kriege im Nahen Osten hineingezogen haben, dringen noch immer darauf, zu kämpfen. Sie haben keine Ahnung, was für eine schlechte Entscheidung sie getroffen haben." Es ist nicht ganz klar, wem diese neue Tirade gelten soll. Den Kurden? Der Türkei?

Ankara wohl nicht. Denn US-Verteidigungsminister Mark Esper lobt zum selben Zeitpunkt die Türkei ausdrücklich dafür, dass sie "von Korea bis Afghanistan" gemeinsam mit den USA gekämpft habe. "Wir können gegen die Türkei im Nahen Osten keinen Krieg anfangen." Das stehe "außer Frage", sagt Esper. Der US-Verteidigungsminister bestätigt dann auch noch, dass die USA aus Nordsyrien "so sicher und schnell wie möglich" abziehen sollen.

Erdoğan meldet sich schließlich doch zu Wort, in Istanbul, auf dem Flughafen. Er will nach Aserbaidschan, zu einem Treffen der Turkstaaten. Der Präsident wirkt schmallippiger als sonst, auf Fragen von Journalisten zur neuen militärischen Lage antwortet er knapp. Es gebe "viele Gerüchte". Dann spricht er von einer "positiven Annäherung" mit Russland, und er schimpft auf die Nato, von der sich die Türkei vergeblich Beistand im Kampf gegen eine "Terrororganisation" erwartet habe. Man müsse sich "langsam fragen", sagt er, ob das damit zusammenhänge, dass die Türkei "das einzige muslimische Land" der Allianz sei.