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Krieg in Syrien:Rebellen nehmen syrische Weltkulturerbe-Stadt Bosra al-Scham ein

Rebel fighters walk inside a 2nd century Roman amphitheater in the historic Syrian southern town of Bosra al-Sham, after they took control of the area

Syrische Rebellen laufen durch das römische Amphietheater in Bosra al-Scham. Sie vertrieben die Assad-Truppen aus der Stadt.

(Foto: REUTERS)
  • Aufständische in Syrien haben die strategisch wichtige Stadt Bosra al-Scham eingenommen haben. Die Stadt liegt zwischen der jordanischen Grenze und der syrischen Hauptstadt Damaskus.
  • Bosra zählt zum Weltkulturerbe der Unesco. Unter anderem befinden sich in der Stadt eine historische Zitadelle und wichtige archäologische Stätten.
  • Aktivisten berichten, dass wichtige historische Stätten unversehrt geblieben sein sollen. Doch wurden zum Beispiel historische Märkte zerstört.
  • Unter den Rebellen sollen neben nicht-islamistischen Oppositionellen auch Mitglieder eines Ablegers der Terrororganisation al-Qaida gewesen sein.

Unesco-Stadt in der Hand der Rebellen

Syrische Rebellen haben eine strategisch wichtige Stadt eingenommen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Großbritannien berichtete am Mittwoch, nach viertägigen Kämpfen hätten Aufständische im Süden die Stadt Bosra al-Scham eingenommen. Bei den Gefechten seien 21 Rebellen getötet worden. Ein Vertreter der syrischen Streitkräfte bestätigte zwar heftige Kämpfe, erklärte jedoch, die Lage vor Ort werde noch untersucht.

Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) zitiert Ahmad Masalma, einen Aktivist der Opposition in der Region Deraa, er bestätigte die Eroberung: "Heute ist ein glücklicher Tag, Bosra al-Scham wurde vollständig befreit."

An der Attacke auf die Stadt sollen Mitglieder der al-Nusra-Front beteiligt gewesen sein, einem Ableger der Terrororganisation al-Qaida in Syrien. Auch nicht-islamistische Gruppen, die die Einnahme Bosras bestätigten, sollen Teil des Angriffs gewesen sein. Die syrische Armee hatte zu Monatsbeginn eine Offensive gestartet, um die Rebellen aus dem Südwesten zurückzudrängen.

Sorge um Kulturgüter

Die Bundesregierung äußerte die Sorge, dass wie bei den Kämpfen im Irak auch dort Kulturgüter zerstört werden könnten. In Mossul hatten IS-Kämpfer erst kürzlich wertvolle Kulturgüter in einem Museum und Ausgrabungsstätten im irakischen Mossul zerstört. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, neben dem menschlichen Leid im Irak und in Syrien gebe es auch eine barbarische Zerstörung unersetzlicher Kulturgüter der Menschheit. Dies zu verhindern, sei außerordentlich schwierig. Die Bundesregierung beteilige sich an einer Reihe von Initiativen zur Verhinderung solcher Taten.

Nach Angaben von Aktivist Masalma habe es keine größeren Zerstörungen in Bosra gegeben. Es seien aber historische Souks und andere archäologische Stätten in Brand gesteckt worden. Die berühmte Zitadelle und ein römisches Amphitheater seien unversehrt geblieben, heißt es bei AP weiter.

Die Bedeutung von Bosra

Bosra war seit Beginn des Krieges stets in der Hand der Assad-Truppen und galt als wichtiger Stützpunkt des Regimes in der Deraa-Region. In der Antike war Bosra die Hauptstadt der römischen Provinz Arabia. Zu den archäologischen Schätzen gehört zum Beispiel ein Amphitheater aus dem zweiten Jahrhundert. Die Region der heutigen Provinz Deraa ist wegen der Nähe zur Hauptstadt Damaskus sowie zu Israel und Jordanien von großer militärischer Bedeutung.

Raketeneinschläge in der Türkei

Am Mittwoch schlug unterdessen erneut eine Rakete in der Türkei ein. Nach Angaben der türkischen Armee ging sie 200 Meter von einem Militärposten entfernt in der Nähe der Stadt Reyhanli nieder. Fünf Menschen seien verletzt, ein Teil des Gebäudes zerstört und zwei Fahrzeuge beschädigt worden. Die Streitkräfte hätten das Feuer auf die syrischen Stellungen erwidert. In örtlichen Medien wurden Fotos eines sieben Meter tiefen Einschlagkraters veröffentlicht.

© Süddeutsche.de/Reuters/AFP/dayk/cmy
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