Süddeutsche Zeitung

Krieg in Syrien:Kerry droht Moskau mit Abbruch der Syrien-Gespräche

  • US-Außenminister Kerry betonte, dass die USA Russland für die Situation in Aleppo verantwortlich machen.
  • Die von Rebellen kontrollierten Gebiete der Stadt erlebten in den vergangenen Tagen die bislang heftigsten Angriffe seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011.
  • Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Angriffe vor dem UN-Sicherheitsrat.

US-Außenminister John Kerry hat Russland mit dem Abbruch der Syrien-Gespräche gedroht, sollte das Land die Angriffe auf die syrische Stadt Aleppo nicht stoppen. Das machte Kerry in einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow deutlich, wie das amerikanische Außenministerium mitteilte. Kerry unterstrich, dass die USA Russland für die Situation in Aleppo verantwortlich machten. Die Rebellengebiete der Stadt hatten in den vergangenen Tagen die bislang heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 erlebt. Dabei wurden mehr als 260 Menschen getötet.

Die strategisch und symbolisch wichtige Stadt gehört zu den umkämpftesten Gebieten des Landes. Die Anhänger des Regimes und ihre Verbündeten kontrollieren den Westen Aleppos, die Rebellen den Osten. Dieser ist wegen einer Blockade seit Wochen von der Außenwelt abgeschnitten. Dort sind bis zu 300 000 Menschen eingeschlossen. Wegen der Blockade fehlt es ihnen an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und medizinischer Versorgung.

Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge gibt es dort nur noch 35 Ärzte, die völlig überfordert sind. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) teilte über Twitter mit, alle acht Krankenhäuser im Osten Aleppos seien seit Beginn der Blockade im Juli beschädigt worden. Hilfsorganisationen werfen dem Regime und seinen Verbündeten vor, die Bombardierungen von Krankenhäusern als Kriegstaktik einzusetzen. Das humanitäre Völkerrecht verbietet derartige Taten - sie werden als Kriegsverbrechen eingestuft.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Angriffe vor dem UN-Sicherheitsrat in New York. "Stellen Sie sich ein Schlachthaus vor. Das hier ist schlimmer. Sogar ein Schlachthaus ist humaner. Diejenigen, die immer zerstörerische Waffen benutzen, wissen genau, was sie tun." Eine von Washington und Moskau ausgehandelte Feuerpause war in diesem Monat nach rund einer Woche gescheitert.

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