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Krieg in Syrien:Johnson ruft zu Protesten gegen Russland auf

The Conservative Party Conference 2016 - Day One

Großbritanniens Außenminister Boris Johnson: Will Bürger gegen den Krieg in Syrien protestieren sehen.

(Foto: Getty Images)
  • Während einer Rede vor dem britischen Parlament zeigt sich der britische Außenminister entrüstet über russische Luftangriffe auf die Stadt Aleppo.
  • Er beschuldigt Russland, an der Bombardierung eines Hilfskonvois beteiligt gewesen zu sein.
  • Russland spricht von "russophober Hysterie".

Der britische Außenminister Boris Johnson hat Kriegsgegner zu Protesten vor der russischen Botschaft in London aufgerufen. "Ich würde gerne Demonstrationen vor der russischen Botschaft sehen", sagte Johnson im britischen Parlament. Er verwies zur Begründung auf russische Luftangriffe auf die belagerte Stadt Aleppo im Norden Syriens. Angesichts der Angriffe auf Aleppo erschöpften sich die "Vorräte der Entrüstung", sagte Johnson. Die russische Botschaft in London reagierte irritiert. "Sehr ungewöhnlich für einen Außenminister, zu Demonstrationen vor der russischen Botschaft aufzurufen. Ist das eine neue Form der britischen Diplomatie?", heißt es auf Twitter.

Johnson beschuldigt Russland, für den Angriff auf einen UN-Hilfskonvoi mit über 20 Toten in Aleppo verantwortlich zu sein. "Alle verfügbaren Hinweise deuten auf eine russische Verantwortung für die Gräueltat hin", sagte er. Russland laufe Gefahr, wegen seiner Syrien-Politik zur Paria-Nation der internationalen Gemeinschaft zu werden. Das russische Verteidigungsministerium nennt Johnsons Vorwürfe "russophobe Hysterie". "Es waren keine russischen Flugzeuge in der Nähe des Konvois. Das ist ein Fakt", schreibt ein Ministeriumssprecher in einer Mitteilung.

Die Regierung in London erwäge Forderungen nach Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien, sagte er. Moskau unterstützt die syrische Regierung bei der Militäroffensive zur Rückeroberung von Aleppo. Wegen der Luftangriffe haben die USA ihre Gespräche mit Moskau über eine Feuerpause für Aleppo abgebrochen. Auch ein Treffen zwischen Putin und Frankreichs Präsident Hollande wurde wegen der unterschiedlichen Positionen zum Syrien-Krieg abgesagt.

Russische Jets sollen erneut bunkerbrechende Bombe eingesetzt haben

Bei neuen Luftangriffen auf die Stadt sind Aktivisten zufolge mindestens 16 Zivilisten getötet worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet, die Bombardements auf die Rebellengebiete im Osten der geteilten Stadt seien von russischen Kampfjets ausgeführt worden. Unter den Toten seien vier Kinder. Nach Angaben des Aktivisten Mahmut Raslan haben die russischen Jets dabei erneut mindestens eine bunkerbrechende Bombe eingesetzt.

Vor knapp einer Woche hatte die syrische Armee eigentlich mitgeteilt, sie werde ihre Angriffe auf Aleppo reduzieren, damit Zivilisten den von Rebellen beherrschten Ostteil der Stadt verlassen könnten. Am Montag hatte das Regime außerdem über das Staatsfernsehen verkündet, auch Rebellen könnten den belagerten Teil Aleppos mit leichten Waffen wie Gewehren verlassen.

Die nordsyrische Großstadt gehört zu den am stärksten umkämpften Gebieten im syrischen Bürgerkrieg. Anhänger des Regimes kontrollieren den Westen Aleppos, Rebellen den Osten. Dieser Teil der Stadt hatte Ende September die heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Ausbruch des Konflikts im Jahr 2011 erlebt. Der UN-Syriengesandte Staffan de Mistura hatte kürzlich davor gewarnt, dass der Ostteil der Stadt bis Weihnachten völlig zerstört sein könnte.

Seit Beginn des Rückeroberungsversuchs syrischer Truppen am 22. September wurden der Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge 290 Menschen in Aleppo getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. Die der syrischen Opposition nahestehende Beobachtungsstelle hat ihren Sitz in Großbritannien, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen.

© SZ.de/dpa/kjan/lalse
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