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Krieg in Syrien:In jeder Hinsicht bankrott

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Acht von zehn Syrern leben heute unter der Armutsgrenze, elf Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mehr als die Hälfte der Syrer wurde entweder im eigenen Land vertrieben oder musste aus Syrien fliehen.

(Foto: Louai Beshara/AFP)

Seit fünf Jahrzehnten herrscht in Syrien die Familie Assad. Auch wenn sie den Bürgerkrieg für sich entschieden hat: Das Land ist zugrunde gerichtet. Jetzt fordern Assads Unterstützer Tribut.

Kommentar von Paul-Anton Krüger

Für Baschar al-Assad mag dieser Tage gleich mehrfach Grund zur Freude sein. Seit nun 20 Jahren gebietet der Diktator über Syrien - das Land, das sein Vater 1970 endgültig durch einen Militärputsch unterworfen hatte. Zugleich hat das Regime, das seit 50 Jahren eher einer absoluten Monarchie gleichkommt als einer Militärdiktatur, den Bürgerkrieg weitgehend für sich entschieden.

Von einem Sieg, wie Assad glauben machen will, kann keine Rede sein. Das ist Assads Verhöhnung von Hunderttausenden Toten, Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen, grotesk angesichts der Zerstörung, die Assad mit Hilfe Russlands, Irans und schiitischer Milizen wie der Hisbollah über Syrien gebracht hat.

Als Assad seinen gefürchteten Vater beerbte, der seine Macht mit Bespitzelung, Unterdrückung und militärischer Gewalt gesichert hatte, hofften Syriens Intellektuelle und der Westen einen Sommer lang auf Öffnung, vom Damaszener Frühling war die Rede. Doch es dauerte kein Jahr, bis die Geheimdienste klarmachten, dass für politische Reformen, für Meinungsvielfalt oder Mitbestimmung auch unter dem Nachfolger kein Platz sein würde. Wirtschaftlich öffnete Baschar al-Assad Syrien in gewisser Weise: Anstelle der maroden, am Vorbild der Sowjetunion orientierten Staatswirtschaft trat eine Art Kapitalismus, in der Nähe zum herrschenden Clan die härteste Währung ist.

Der jüngere Assad gründete seine Macht auf den vom Vater übernommenen Unterdrückungsapparat und wirtschaftliche Patronage. Der Aufstieg einer wohlhabenden Schicht von Händlern und Fabrikanten in großen Städten, unter ihnen auch etliche Sunniten, und ultrareicher Oligarchen aus der Assad-Sippe täuschte eine Zeit lang hinweg über die krisenhaften Entwicklungen, die 2011 in den Aufstand gegen Assad mündeten: Missernten durch Dürren, Landflucht, Bevölkerungswachstum und die Verschlechterung der Lebensbedingungen großer Bevölkerungsteile, vor allem der sunnitisch-konservativen Landbevölkerung.

Heute leben acht von zehn Syrern unter der Armutsgrenze, elf Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mehr als die Hälfte der Syrer wurden im eigenen Land vertrieben oder mussten aus Syrien fliehen. Konnte das Regime etwa in Gebieten der alawitischen Minderheit, aus der Assad stammt, während des Krieges lange den Schein einer gewissen Normalität wahren, ist die Lage heute ungeachtet Assads militärischer Erfolge so desolat, dass es in Hochburgen des Regimes zu Protesten gegen ihn kommt.

Jetzt fordern Assads ausländische Unterstützer Tribut, ebenso wie die Oligarchen, die ihm durch den Krieg geholfen haben. Wiederaufbau findet nur statt, um Loyalität abzugelten, nicht um der Bevölkerung ein besseres Leben zu ermöglichen oder gar die Rückkehr in ihre zerbombte einstige Heimat - im Gegenteil: Vertreibungen werden zementiert. Zu politischem Wandel, gar zur Teilung der Macht, ist Assad nicht bereit. Eine Befriedung Syriens, gar eine Aussöhnung, ist so unvorstellbar. Das Regime ist bankrott - finanziell und politisch. Nicht weil der Westen an Sanktionen festhält, sondern weil sich die Assads 50 Jahre um nichts anderes gekümmert haben als den Erhalt der eigenen Macht und die Mehrung ihres Reichtums. Das beginnen auch die Anhänger des Regimes zu verstehen.

© SZ vom 18.07.2020/fie

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