Krieg in NahostWintersturm „Byron“ fordert Menschenleben in Israel und Gaza

Heftige Regenfälle und starke Winde fordern mindestens zwei Menschenleben. Im Gazastreifen stürzen viele Zelte und ein dreistöckiges Gebäude ein.

Dieser Liveblog ist archiviert und wird nicht mehr aktualisiert. Die aktuelle Berichterstattung finden Sie auf unserer Themenseite zum Krieg in Nahost.

Wichtige Updates
Hamas bestätigt Tod ihres ranghohen Kommandeurs Saad 
Hamas-Behörde: Humanitäre Katastrophe nach Unwetter im Gazastreifen 
Israels Armee tötet Palästinenser an neuer Grenze zum Gazastreifen 
Bundesregierung fordert sofortigen Stopp des israelischen Siedlungsbaus
Wintersturm „Byron“ fordert Menschenleben im Gazastreifen und in Israel
Nadja Tausche
Nadja Tausche

Israel tötet hochrangigen Hamas-Kommandeur im Gazastreifen

Das israelische Militär hat bei einem Angriff nach eigenen Angaben einen hochrangigen Kommandeur der Hamas im Gazastreifen getroffen. In den vergangenen Monaten habe der Terrorist daran gearbeitet, die Fähigkeiten der Hamas und deren Waffenproduktion wiederherzustellen, teilte die Armee mit. Um wen es sich handelt, blieb in der Mitteilung offen. Nach Informationen der israelischen Medien Times of Israel und ynet.com soll es sich bei dem Getroffenen um Raed Saad, Top-Kommandeur der Hamas, handeln. Den Berichten zufolge handelte es sich um einen Drohnenangriff in der Stadt Gaza. Palästinensische Medien berichteten, dass es insgesamt vier Todesopfer gegeben habe.

Saad soll nach israelischen Berichten Chefplaner des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 im Süden Israels gewesen sein. Der getötete Kommandeur stand den Angaben zufolge in der Hierarchie der Kassam-Brigaden, des militärischen Arms der Hamas, weit oben: Hinter Izz al-Din al-Haddad, dem Kommandeur der Kassam-Brigaden, soll Saad zweiter Mann gewesen sein, er leitete demnach die Operations- und Produktionsabteilungen. Nach Angaben der Times of Israel überlebte er mehrere Attentatsversuche. Zum Zeitpunkt des Angriffs hielt er sich in einem Gebiet auf, das gemäß einer Waffenruhe-Vereinbarung von der Hamas kontrolliert wird. 
Birgit Kruse
Birgit Kruse

Hamas bestätigt Tod ihres ranghohen Kommandeurs Saad 

Die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen hat den Tod ihres ranghohen Kommandeurs Raed Saad bestätigt. Er sei bei einem israelischen Angriff am Samstag ums Leben gekommen, erklärte der Anführer der Hamas im Gazastreifen, Chalil al-Hajja, am Sonntag. Mit Saad wurde seit Inkrafttreten der äußerst brüchigen Waffenruhe am 10. Oktober das ranghöchste Hamas-Mitglied gezielt von israelischen Sicherheitskräften getötet.

Nach israelischen Angaben vom Samstag kam Saad bei einem Luftangriff auf ein Fahrzeug in Gaza-Stadt ums Leben. Saad gilt als einer der Drahtzieher des überraschenden Angriffs der Hamas und des mit ihr verbündeten Islamischen Dschihads auf Israel am 7. Oktober 2023. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz hatten am Samstag in einer gemeinsamen Erklärung mitgeteilt, der Angriff sei eine Reaktion auf einen Anschlag der Hamas gewesen, bei dem zuvor am Samstag zwei Soldaten durch einen Sprengsatz verletzt worden seien. Bei dem Angriff auf das Auto wurden nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde fünf Menschen getötet und mindestens 25 weitere verletzt.

Ein Vertreter des israelischen Militärs beschrieb Saad als ein ranghohes Hamas-Mitglied, das geholfen habe, das Waffenproduktionsnetzwerk der Organisation aufzubauen. Aus Kreisen der Hamas hieß es, Saad sei nach Iss el-Din al-Haddad der zweite Mann im bewaffneten Teil der radikalen Palästinenserorganisation gewesen.
Julia Daniel
Julia Daniel

16-jähriger Palästinenser getötet - Israel: Warf Sprengsatz 

Bei einem neuen Zwischenfall im nördlichen Westjordanland ist nach palästinensischen Angaben ein 16-Jähriger von israelischen Soldaten erschossen worden. Das Militär teilte mit, er habe am Samstagabend nordwestlich der Stadt Dschenin einen Sprengsatz auf Truppen geworfen. „Die Soldaten reagierten mit Feuer und schalteten den Terroristen aus“, hieß es weiter in der Mitteilung. Unter den Soldaten gebe es keine Verletzten.

Die palästinensische Autonomiebehörde bestätigte an diesem Sonntag den Tod des Jugendlichen, der aus einer nahegelegenen Ortschaft stamme. Seine Leiche werde weiterhin von der Armee festgehalten.
Julia Daniel
Julia Daniel

Hamas-Behörde: Humanitäre Katastrophe nach Unwetter im Gazastreifen 

Nach einem schweren Unwetter mit großflächigen Überschwemmungen sprechen die Behörden im Gazastreifen von einer „komplexen humanitären Katastrophe“. Demnach wurden bislang elf Personen tot geborgen. Wie das der islamistischen Hamas nahestehende Medienbüro weiter berichtete, stürzten 13 Häuser ein. Mehr als 53 000 Zelte seien beschädigt, zerstört oder weggeschwemmt worden. Rund 250 000 von 1,5 Millionen Menschen, die in Zelten oder provisorischen Unterkünften als Folge des Gaza-Kriegs lebten, seien betroffen. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA teilte mit, dass außerhalb des Gazastreifens Ausrüstung für Notunterkünfte für bis zu 1,3 Millionen Menschen bereitstehe. Ohne Israel direkt zu nennen, erklärte die Hilfsorganisation, es sei eine politische Entscheidung, diese Hilfe zu verweigern. 
Julia Daniel
Julia Daniel

Israels Armee tötet Palästinenser an neuer Grenze zum Gazastreifen 

Israelische Soldaten haben an der selbst definierten neuen Grenze zum Gazastreifen einen Palästinenser getötet. Nach Angaben der israelischen Armee identifizierten Truppen am Freitag im südlichen Gazastreifen „zwei Terroristen, die die sogenannte 'gelbe Linie' überschritten hatten und eine unmittelbare Bedrohung für sie darstellten“. Einer der beiden Männer sei „eliminiert“ worden, um die Bedrohung zu beseitigen. Die Truppen blieben im Rahmen der Vereinbarung über eine Waffenruhe weiter in dem Gebiet stationiert, um jede unmittelbare Bedrohung zu beseitigen.

Israels Generalstabschef Ejal Zamir hatte am vergangenen Sonntag die sogenannte „gelbe Linie“ zur neuen Grenze zum Gazastreifen erklärt. Diese Linie markiert die Rückzugsposition der Armee im Rahmen der Gaza-Waffenruhe. Sie ist durch gelb markierte Betonelemente und Schilder gekennzeichnet.
Linus Freymark
Linus Freymark

Bundesregierung fordert sofortigen Stopp des israelischen Siedlungsbaus

Die Bundesregierung kritisiert Israel für die Genehmigung von mehr als 750 neuen Wohneinheiten im Westjordanland. "Dieses Vorgehen lehnt die Bundesregierung in aller Deutlichkeit ab", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Abend. Der Siedlungsbau verstoße nicht nur gegen das Völkerrecht, sondern erschwere auch eine Zweistaatenlösung.

Mit Zweistaatenlösung ist ein unabhängiger palästinensischer Staat gemeint, der friedlich Seite an Seite mit Israel existiert. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lehnt eine Zweistaatenlösung ab - ebenso wie die islamistische Hamas im Gazastreifen.

Israel hatte am Mittwoch den Bau von 764 Wohneinheiten in drei Siedlungen im Westjordanland genehmigt. Die Palästinensische Autonomiebehörde erklärte daraufhin, diese Politik ziele darauf ab, "die Region zu entzünden". Am Freitag entschied das israelische Kabinett zudem, die Legalisierung von 19 Außenposten im Westjordanland voranzutreiben. Siedler hatten diese kleineren Ansiedlungen von Containern und Häusern ohne Genehmigung der israelischen Regierung errichtet.

Laut Bundesregierung wurden 2025 knapp 30 000 neue Siedlungseinheiten genehmigt. Das entspreche einem neuen Höchststand. "Die Bundesregierung ruft die israelische Regierung zur sofortigen Einstellung des Siedlungsbaus auf", hieß es in einer Mitteilung des Auswärtigen Amts. 
Anna Bolten

Wintersturm „Byron“ fordert Menschenleben im Gazastreifen und in Israel

Der Wintersturm „Byron“, der heftige Regenfälle und starke Winde in die palästinensischen Gebiete und nach Israel brachte, hat nach Angaben des Zivilschutzes in den vergangenen 24 Stunden neun Menschenleben gefordert. Die WHO spricht von mindestens zehn Toten.

Dramatisch ist laut Berichten die Lage im Gazastreifen. Dort sind palästinensischen Angaben zufolge während des Unwetters fünf Menschen durch ein einstürzendes Gebäude getötet und mehrere weitere verletzt worden. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete, in dem Haus seien Vertriebene untergekommen. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Zivilschutzes liegt das Haus im Norden des Küstengebiets. Im Gazastreifen starb zudem nach palästinensischen Berichten ein acht Monate altes Mädchen an Unterkühlung. Auch in der israelischen Küstenstadt Netanja wurde laut israelischen Medien ein 53-Jähriger mit Anzeichen schwerer Unterkühlung tot aufgefunden.

Das Al-Mawasi-Gebiet in Chan Yunis im Süden des Gazastreifens, das vielen Binnenvertriebenen als Lagerstätte dient, sowie Gebiete im gesamten Gazastreifen sollen von Überschwemmungen betroffen sein, die große Schäden an den Zeltunterkünften der Vertriebenen anrichteten. Allein entlang der Küste von Chan Yunis befänden sich mehr als 4000 Menschen in Hochrisikogebieten. Von diesen würden etwa 1000 Menschen mit Unterstützung der Vereinten Nationen vorrangig in Sicherheit gebracht. Insgesamt sollen laut der Internationalen Organisation für Migration knapp 795 000 vertriebene Menschen durch den Sturm Byron in Gefahr sein. 

Der Sprecher des palästinensischen Zivilschutzes in Gaza, Mahmud Basal, forderte auf Instagram, unverzüglich Wohnwagen in den Gazastreifen zu lassen. Zelte seien als Unterkünfte in „tödlicher Kälte und eskalierenden Stürmen“ nicht mehr geeignet. Die Hamas machte Israel in einer Stellungnahme für das Leid der Zivilbevölkerung in Gaza verantwortlich, unter anderem durch die Einfuhrblockade für Baumaterial.
Philipp Saul
Philipp Saul

UN: Israel schießt auf Blauhelme in Südlibanon

Israelische Soldaten haben nach Angaben der UN-Friedenstruppe auf Blauhelme in Südlibanon geschossen. Die Unifil-Soldaten seien entlang der Blauen Linie, der Grenze zwischen Israel und Libanon, patrouilliert, als sie von israelischen Soldaten in einem Panzer beschossen worden seien, teilte die Beobachtermission mit. Das israelische Militär erklärte, die Schüsse hätten nicht den Friedenstruppen, sondern einem Verdächtigen gegolten.

Eine zehn Schuss umfassende Maschinengewehrsalve sei über den Konvoi hinweg abgefeuert worden, hieß es in der UN-Mitteilung. Vier weitere Salven schlugen demnach mit jeweils zehn Schüssen in der Umgebung ein. Sowohl die Blauhelme als auch der Panzer der israelischen Streitkräfte befanden sich demnach zum Zeitpunkt des Vorfalls auf libanesischem Gebiet. Es habe keine Verletzte gegeben. Das israelische Militär sei im Voraus über den Ort und den Zeitpunkt der Patrouille informiert worden. Unifil forderte die israelischen Streitkräfte auf, ihr „aggressives Verhalten“ sowie Angriffe auf und in der Nähe der Friedenstruppen einzustellen.

In einer Stellungnahme der israelischen Armee hieß es, Soldaten hätten einen Verdächtigen ausgemacht, der sich einem israelischen Stützpunkt genähert habe. Auf ihn seien Warnschüsse abgegeben worden. „Während des Warnfeuers nahmen Unifil-Kräfte Kontakt mit der israelischen Armee auf und erklärten, sie hätten Schüsse in ihre Richtung gehört“, hieß es weiter. „Ihnen wurde klargemacht, dass das Feuer nicht auf sie oder in ihre Richtung abgegeben wurde, sondern auf die sich nähernde Bedrohung in dem Gebiet.“

Die Blauhelme überwachen in Südlibanon eine Waffenruhe zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz und Israel. Nach dem offenen Krieg im vergangenen Jahr einigten sich beide Seiten eigentlich auf eine Waffenruhe. Es gibt jedoch immer wieder Verstöße. Israel wirft der Hisbollah vor, sich entgegen der Vereinbarung im Grenzgebiet neu zu organisieren. Die Lage hatte sich zuletzt wieder deutlich zugespitzt. Israel greift nahezu täglich weiter in Libanon an. Seit Inkrafttreten der Waffenruhe Ende November 2024 wurden in Libanon nach UN-Angaben mehr als 100 Menschen getötet.
Saimah Jiwa

Starkes Unwetter in Israel und Gaza 

Nach stundenlangen Regenfällen sind palästinensischen Berichten zufolge viele Zelte im großflächig zerstörten Gazastreifen überflutet. Ein Sturmtief bringt derzeit in Israel und den Palästinensergebieten viel Regen, teils starken Wind und Gewitter. Vor allem die vielen in provisorischen Zeltlagern hausenden Menschen im Gazastreifen sind von dem Unwetter betroffen.

Unter anderem die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete von mit Wasser vollgelaufenen Zelten im Gazastreifen. In den Medien und sozialen Netzwerken verbreitete Aufnahmen sollen zeigen, wie Menschen im Gazastreifen versuchen, etwa mit Eimern und Töpfen ihren Behausungen von Wassermassen zu befreien. Zu sehen sind auch Palästinenser, darunter Kinder, die teilweise barfuß knöcheltief im Wasser oder Schlamm stehen. Die israelische Zeitung Haaretz berichtete unter Berufung auf Helfer vor Ort, viele Zelte seien eingestürzt, Menschen müssten deshalb in öffentlichen Gebäuden Schutz suchen, die oft überfüllt und unbeheizt seien.

Laut israelischen Medien werden indes mehrere Israelis vermisst, die mit ihrer Yacht Richtung Zypern unterwegs gewesen seien. Dort hatte das Unwetter zuvor gewütet. Der Kontakt zu der Gruppe sei abgebrochen. Wegen des Unwetters musste israelischen Berichten zufolge zudem ein Flugzeug aus Zypern mit Israelis an Bord, das in Richtung Israel unterwegs war, libanesischen Luftraum durchqueren. Israel und der Libanon befinden sich offiziell im Kriegszustand. Es wird erwartet, dass das Unwetter noch bis Freitag anhält. 
Christoph Heinlein
Christoph Heinlein

Israel genehmigt Bau von Hunderten Wohnungen im Westjordanland 

Israel genehmigt den Bau von 764 neuen Wohneinheiten im Westjordanland. Diese werden in drei Siedlungen des von Israel besetzten Gebiets errichtet, gibt Finanzminister Bezalel Smotrich bekannt. „Wir setzen die Revolution fort“, sagt der nationalistische Politiker, der die Gründung eines Palästinenserstaates ablehnt. Smotrich spricht von einem „klaren strategischen Prozess zur Stärkung der Siedlungen“. Wassel Abu Jussef, Mitglied des Exekutivkomitees der Palästinensischen Befreiungsorganisation, bezeichnet jegliche Siedlungen in der Gegend als illegal. Auch die Vereinten Nationen und der Internationale Gerichtshof stufen die jüdischen Siedlungen in dem Palästinensergebiet als völkerrechtswidrig ein. 
Lisa Torjuul

Reporter ohne Grenzen: Gazastreifen gefährlichstes Gebiet für Journalisten weltweit

Der Gazastreifen war 2025 das gefährlichste Gebiet für Journalistinnen und Journalisten weltweit. 29 Medienschaffende seien von der israelischen Armee in dem Küstenstreifen am Mittelmeer zwischen dem 1. Dezember 2024 und 1. Dezember 2025 getötet worden, teilte die Journalisten-Organisation Reporter ohne Grenzen am Dienstag mit. Das ist knapp die Hälfte der insgesamt getöteten Medienschaffenden in diesem Zeitraum; weltweit waren es 67 Menschen.

Insgesamt habe die israelische Armee seit Kriegsbeginn im Oktober 2023 fast 220 Journalistinnen und Journalisten getötet, berichtet Reporter ohne Grenzen – mindestens 65 davon im direkten Zusammenhang mit ihrer Arbeit, einige gezielt. Die israelische Regierung behauptet, einige der getöteten Medienleute seien eigentlich Hamas-Kämpfer gewesen, wie im Fall von Anas al-Scharif. In Bezug auf die Bombardierung eines Krankenhauses in Chan Yunis, bei der fünf Medienschaffende starben, drückte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Bedauern aus. Ankündigungen der israelischen Armee, Fälle zu untersuchen, blieben laut der Organisation Action on Armed Violence (AOAV) aber fast immer ohne Ergebnis.
Lisa Torjuul

Weiterhin kein Gaza-Zugang für internationale Journalisten

Ausländischen Journalisten wird weiterhin kein unabhängiger und freier Zugang zum Gazastreifen gewährt. Das Oberste Gericht Israels hat dem Staat eine weitere Frist eingeräumt, um eine klare Position darzulegen, wie der Verband der Auslandspresse in Israel und den palästinensischen Gebieten (FPA) am Dienstag mitteilte. Laut FPA ist dies der neunte Aufschub, seit sie im September vergangenen Jahres in einem Antrag freien Pressezugang gefordert hat. Die Regierung habe bis zum 21. Dezember Zeit erhalten, ihre Position schriftlich einzureichen. 

Die Situation sei „mehr als absurd“, erklärte der Verband in einer Stellungnahme. „Wir sind bestürzt darüber, dass die Regierung weiterhin Zeit schindet, und zutiefst enttäuscht, dass das Gericht dies weiterhin zulässt“. Durch die wiederholten Verzögerungen werde der Welt ein umfassenderer Einblick in die Verhältnisse in Gaza vorenthalten. Auch werde das gerichtliche Verfahren ad absurdum geführt.

Der Verband hatte sich im September 2024 an das Oberste Gericht gewandt und sofortigen, freien und ungehinderten Zugang zum Kriegsgebiet gefordert. Am 23. Oktober 2025 kam es zur Anhörung. Damals hatte der Vorsitzende des Richtergremiums erklärt, dass es nach der Frist vom 23. November keine weiteren Verlängerungen für die Regierung geben werde. Seither hat das Gericht dem Staat bereits zwei weitere Verlängerungen eingeräumt.

Der Zugang zum Gazastreifen wird vollständig von Israel kontrolliert. Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor mehr als zwei Jahren konnten ausländische Journalisten den Gazastreifen nur vereinzelt mit der israelischen Armee besuchen. Dabei bekamen sie immer nur ganz bestimmte Ausschnitte zu sehen.
Michelle Ostwald

Israel fliegt erneut Angriffe in Libanon

Die israelische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben erneut Stellungen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz im Süden Libanons angegriffen. Unter anderem sei ein Trainingsgelände der Hisbollah-Eliteeinheit Radwan attackiert worden, teilte die Armee in der Nacht mit. Das Gelände habe dazu gedient, Terrorangriffe auf israelische Soldaten und Zivilisten zu planen und durchzuführen. Zudem seien militärische Einrichtungen und eine Raketenabschussrampe der Hisbollah angegriffen worden. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

"Die angegriffenen Ziele und die militärischen Übungen zur Vorbereitung von Aktivitäten gegen den Staat Israel stellen einen Verstoß gegen die Vereinbarungen zwischen Israel und Libanon und eine Bedrohung für den Staat Israel dar", hieß es in der Mitteilung der Armee. Israel und die Hisbollah-Miliz hatten sich im November 2024 nach mehr als einjährigem gegenseitigen Beschuss auf eine Waffenruhe geeinigt. Seither werfen sich beide Seiten immer wieder Verstöße gegen die Vereinbarung vor.
Julia Daniel
Julia Daniel

Merz: Palästinenserstaat muss kommen 

Bundeskanzler Friedrich Merz betont, dass es einen eigenen Palästinenserstaat geben muss. Im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des Gazastreifens sagt er in der ARD, dass die Menschen dort eine Heimat haben müssten. "Und Heimat heißt für mich auch in der längeren Perspektive einen eigenständigen palästinensischen Staat", fügt er hinzu. "Das ist viel zu früh, aber am Ende dieses Prozesses muss es diesen Staat geben. Dann werden wir den auch anerkennen", sagt der Kanzler. 

Am Sonntag äußerte sich Merz in Israel vorsichtiger und sagte: "Es ist eine Hoffnung, die sich vielleicht erfüllt, vielleicht aber auch nicht."
Julia Daniel
Julia Daniel

Israel durchsucht Gelände von Palästinenser-Hilfswerk - UN protestiert 

Israelische Vertreter sind erneut gegen das UN-Hilfswerk für die Palästinenser (UNRWA) vorgegangen. Am Montag drangen israelische Polizisten und Vertreter der Stadt Jerusalem laut Medienberichten in das UNRWA-Hauptquartier in Ostjerusalem ein und beschlagnahmten Ausrüstung und Möbel. 

Jerusalems Stadtverwaltung teilte mit, Steuereintreiber hätten das UNRWA-Gelände wegen unbezahlter Grundsteuern in Höhe von umgerechnet 3,1 Millionen Euro betreten. Der Eintreibung der erheblichen Schulden seien wiederholte, aber unbeantwortete Zahlungsaufforderungen vorausgegangen. Ein UNRWA-Sprecher wies dies zurück. Das Hilfswerk habe keine Schulden bei der Stadt. 

Die Vereinten Nationen verurteilten den Vorfall scharf und sprachen von einem möglichen Bruch internationalen Rechts. Die Aktion stelle „eine eklatante Missachtung der Verpflichtung Israels als Mitgliedstaat der Vereinten Nationen dar, die Unverletzlichkeit der UN-Räumlichkeiten zu schützen und zu respektieren“, schrieb UNRWA-Generalsekretär Philippe Lazzarini auf der Plattform X. Dies stelle eine neue Belastungsprobe für das Völkerrecht dar und schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall. Nach Angaben von Lazzarini setzten die israelischen Einsatzkräfte eine israelische Fahne auf dem Gebäude. Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres verurteilte die Durchsuchung. Er forderte Israel auf, die Unverletzlichkeit des Geländes unverzüglich wiederherzustellen. 

UNRWA unterstützt laut eigenen Angaben rund 5,4 Millionen palästinensische Flüchtlinge in Libanon, in Syrien und Jordanien sowie dem Westjordanland und Gaza. In Ostjerusalem betreibt das Hilfswerk unter anderem mehrere Schulen und Gesundheitszentren. Im Februar hatte Israel drei UNRWA-Schulen in Ostjerusalem geschlossen.
© SZ/dpa/Reuters/KNA/epd/Bloomberg - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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