Süddeutsche Zeitung

Krieg in Nahost:300 Palästinenser dürfen Gaza-Streifen verlassen

Erstmals seit Kriegsbeginn erlaubt Israel Palästinensern die Ausreise - auch die ersten Ausländer können das Kriegsgebiet verlassen. Die Gewalt geht unterdessen weiter.

Israel erlaubt fast 300 Palästinensern die Ausreise aus dem Gaza-Streifen. Militärsprecher Peter Lerner erklärte, Palästinenser im Besitz eines ausländischen Passes könnten über den Grenzübergang Eres das Autonomiegebiet verlassen. Sie seien Staatsbürger unter anderem der USA, Russlands, der Türkei und Kasachstans.

Angesichts der dauernden Angriffe haben am Freitagmorgen auch die ersten von mehr als 400 Ausländern den Gaza-Streifen über den Grenzübergang Eres verlassen. Die Armee gestattete die Ausreise, nachdem die Botschaften der betreffenden Ausländer die israelische Führung darum gebeten hatten.

Viele Ausländer wollen den Gaza-Streifen aus Furcht vor einer israelischen Bodenoffensive verlassen. Israel hat Panzer und Soldaten vor dem Gaza-Streifen zusammengezogen. Der Einsatz droht nach Ansicht von Militärkommentatoren, falls der diplomatische Druck und die Luftschläge Israels nicht zum Stopp der Raketenangriffe militanter Palästinenser auf Israel führen.

Hamas ruft zur Einheit der Palästinenser auf

Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas hat unterdessen die rivalisierende Fatah-Fraktion von Präsident Mahmud Abbas zum Einlenken aufgefordert. "In solchen Zeiten muss man einig sein", erklärte der stellvertretende Chef des Hamas-Politbüros, Mussa Abu Marsuk, am Freitag in dem Nachrichtensender Al-Arabija.

"Wir sagen ja zum Dialog (mit Fatah)", meinte er auf die Frage, ob er die Forderung der arabischen Staaten zu einer innerpalästinensischen Aussöhnung ernst nehme. Gleichzeitig forderte er Abbas auf, im Westjordanland inhaftierte Hamas-Angehörige freizulassen.

Auch am siebten Tag des Konfliktes haben Israel und militante Palästinenser ihre gegenseitigen Angriffe fortgesetzt. Die israelische Luftwaffe griff nach Angaben einer Armeesprecherin am Freitagmorgen 20 Ziele der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen an. Darunter sei auch das Hauptquartier des militanten Flügels der Hamas gewesen.

Zudem haben israelische Kampfflieger nach israelischen Medienangaben in der Nacht zum Freitag eine Moschee im Flüchtlingslager Dschabalija im nördlichen Gaza-Streifen bombardiert. Das Gotteshaus soll als Waffenlager und Versteck für Extremisten gedient haben.

Im Gegenzug feuerten militante Palästinenser sieben Raketen auf Israel ab. Zwei Raketen trafen zwei Wohngebäude in der südisraelischen Stadt Aschkelon. Zwei Israelis wurden nach Polizeiangaben verletzt.

Ein Hamas-Vertreter sagte im Fernsehen, Israel werde seine Angriffe bereuen. Den Freitag hat die Hamas zum "Tag des Zorns" ausgerufen. Im Westjordanland und in Ost-Jerusalem wird deshalb mit heftigen palästinensischen Protesten gegen Israel gerechnet. Die israelische Polizei mobilisierte tausende Sicherheitskräfte. Im Westjordanland gilt seit Mitternacht für 48 Stunden eine Ausgehsperre sowie ein Einreiseverbot.

Bei den israelischen Luftangriffen auf Ziele im Gaza-Streifen sind nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde bisher 420 Menschen getötet worden. Weitere 2100 Personen sind verletzt worden. Weitere 300 Palästinenser schweben den Angaben zufolge in Lebensgefahr. Auf israelischer Seite gab es durch Raketenbeschuss bislang vier Tote.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.359393
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
dpa/AP/cgu/gba
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.