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Krieg in Libyen:Deutsche Sturmgewehre in Libyen?

Im Kampf gegen Gaddafi sind nach Angaben eines Rebellenkommandeurs in den vergangenen sechs Monaten mindestens 50.000 Menschen getötet worden. Diese Zahl setzte sich aus eigenen Zählungen in den Kampfgebieten sowie Angaben von Organisationen wie dem Roten Kreuz zusammen, sagte Hischam Abu Hadscher dem US-Sender CNN. Sie beinhalte getötete Kämpfer wie auch zivile Opfer.

Die Rebellen zeigen den Vereinten Nationen die kalte Schulter: Sie ließen verlautbaren, dass sie nach dem Ende des blutigen Krieges keine UN-Soldaten im Land haben wollen.

(Foto: AP)

Die Truppen Gaddafis sollen auch mit G36-Sturmgewehren aus Deutschland gekämpft haben. Die Waffen seien bei Heckler & Koch in Oberndorf am Neckar hergestellt worden, berichten die Stuttgarter Nachrichten und das ARD-Magazin Kontraste (Sendetermin 1. September, 21:45 Uhr). Dies belegten der Herstellerstempel und die sogenannte Beschussmarke. Die Sturmgewehre fielen den Rebellen beim Sturm auf die Residenz Gaddafis in Tripolis in großer Anzahl in die Hände. Dies hätten Augenzeugen berichtet.

Unklar sei bislang die Anzahl der Waffen und von wem sie nach Libyen geliefert wurden. Die Geschäftsführung des G36-Herstellers schließt aus, dass die Waffen von Heckler & Koch nach Libyen geliefert wurden. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, es habe keine Genehmigung erteilt, G36 nach Libyen zu liefern.

Unterdessen ist Gaddafis Sohn Al-Saadi nach Berichten des arabischen Senders al-Dschasira angeblich bereit, sich den Rebellen zu ergeben. Dies habe der für Tripolis zuständige Rebellenkommandeur Abdelhakim Belhadsch gesagt, meldete der Sender. Demzufolge habe Al-Saadi Gaddafi in einem Telefonat mit Belhadsch über die Möglichkeit, sich zu ergeben, gesprochen. Der Gaddafi-Sohn wolle Libyen nicht verlassen und suche Kontakt zum Übergangsrat, um zu verhandeln, habe Belhadsch erklärt. Anhand des Telefonanrufs glaube er auch zu wissen, wo Al-Saadi sich aufhalte.

Italienische Medien hatten am Montag berichtet, dass sich der Gaddafi-Sohn zusammen mit seinem Vater nach wie vor in Libyen aufhalte. Es sei "zu 80 Prozent sicher, dass Gaddafi immer noch in Libyen ist", sagte der Militärbeauftragte im Nationalen Übergangsrat, Omar Hariri, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP in Tripolis. Laut Hariri vermuten die Rebellen den untergetauchten Gaddafi in Bani Walid südöstlich von Tripolis, oder in den Vororten der libyschen Hauptstadt.

Algerien spricht von "humanitären Gründe"

Dagegen hatten sich Gaddafis Frau Safia, die Söhne Hannibal und Mohammed sowie die Tochter Aischa nach Algerien abgesetzt. Die Aufnahme der Gaddafi-Familie durch das Nachbarland wurde von den libyschen Rebellen heftig kritisiert. Algerien rechtfertigte diesen Schritt in einem Brief an den UN-Sicherheitsrat.

Demnach hatte das Land der Ehefrau Gaddafis sowie weiteren Familienangehörigen die Einreise aus "humanitären Gründen" erlaubt. In dem Schreiben des algerischen UN-Botschafters Murad Benmehidian heißt es, dass am Montagmorgen um 8:45 Uhr (Ortszeit) ein Bus und ein Mercedes von Libyen kommend auf algerischem Boden eingetroffen seien.

In den Fahrzeugen hätten sich Safia Gaddafi, ihre Tochter Aisha, die Söhne Hannibal und Mohammed sowie ihre Kinder befunden. Noch am selben Tag sei an der Grenze ein Kind ohne ärztliche Betreuung geboren worden, berichtet Benmehidi weiter. Das algerische Gesundheitsministerium hatte zuvor mitgeteilt, dass Aischa Gaddafi am Dienstag ein Mädchen geboren habe. Es ist bislang unklar, welcher Tag richtig ist.