Entwicklungen in Libyen Tripolis zunehmend in Rebellenhand

Die Rebellen haben weite Teile der Hauptstadt Tripolis erobert, doch Gaddafis Truppen geben nicht auf - und bringen den Siegeszug der Rebellen ins Stocken: Die verbliebenen Anhänger des Machthabers konzentrieren sich auf wenige Stellungen. Besonders vor Gaddafis Residenz toben heftige Gefechte.

Die aktuelle Entwicklung im Newsticker.

Ein halbes Jahr nach dem Beginn des Aufstandes gegen Muammar al-Gaddafi steht das libysche Regime vor dem Ende: Sechs Monate nach Beginn des Aufstands sind die Rebellen in der Nacht auf Montag bis zu Gaddafis Residenz in der Hauptstadt Tripolis vorgedrungen. Die Stadt ist fast vollständig unter ihrer Kontrolle, und der Nationale Übergangsrat habe sich auf den Weg in die Hauptstadt gemacht, sagte der Chef des Übergangsrats, Mustafa Abdel Dschalil.

Noch immer liefern sich Soldaten und Rebellen in Tripolis Gefechte, vor allem in der Nähe des Gebäudekomplexes, in dem sich Gaddafi bis zuletzt aufgehalten haben soll (gute Übersicht auf dieser interaktiven Karte vom Guardian). Der Autokrat gibt nicht auf - und weder Rebellen noch Nato wissen, wo sich Gaddafi aufhält. Die aktuellen Entwicklungen zur Lage in Libyen im Newsticker.

16:00 Uhr

Viele Journalisten sind nach wie vor im Rixos Hotel gefangen. CNN-Reporter Matthew Chance twittert, dass das Hotel von der Stromversorgung abgeschnitten worden ist und nur noch durch Generatoren mit Strom versorgt wird.

16:38 Uhr

Kanzlerin Angela Merkel versichert, dass sich Deutschland intensiv am Wiederaufbau Libyens beteiligen wird. "Es ist erfreulich, dass Gaddafi seine politische Macht verloren hat", so Merkel am Rande eines Besuches in Kroatien. "Jetzt beginnt der Wiederaufbauprozess in Libyen und der Prozess der Bildung demokratischer staatlicher Strukturen." Dabei würden die internationale Staatengemeinschaft und Deutschland intensiv mitarbeiten. Merkel begrüßte, dass es nächste Woche in Paris ein Treffen der Libyen-Kontaktgruppe geben soll.

16:53 Uhr

In Sidi Khalifa, im Zentrum von Tripolis, liefern sich nach Informationen des TV-Senders al-Arabija Gaddafianhänger mit Rebellen schwere Gefechte.

17:11 Uhr

Rebellenkämpfer haben nach Angaben regimekritischer Medien etwa 900 Häftlinge aus dem Gefängnis Ain Zara bei Tripolis befreit. Die meisten von ihnen seien politische Gefangene, berichteten die Medien weiter. In der westlibyschen Stadt Sawara gebe es unterdessen Kämpfe. Die Lage sei sehr brenzlig. Gaddafi-Truppen attackierten die Stadt aus drei Richtungen.

17:27 Uhr

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu will morgen in die libysche Rebellenhochburg Bengasi fliegen und mit Vertretern des nationalen Übergangsrates der Aufständischen sprechen. "Heute ist ein historischer Tag“, sagte Davutoglu, der als Vertreter der internationalen Libyen-Kontaktgruppe nach Bengasi reist.

17:40 Uhr

Die SPD schließt eine Beteiligung der Bundeswehr am Wiederaufbau in Libyen aus. "Soldaten sind jetzt nicht gefragt“, sagte Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, der bis 2009 Außenminister war.

18:12 Uhr

Die USA wollen keine Friedenstruppen nach Libyen schicken. "Falls es eine vorübergehende Mission gibt, die Truppen aus dem Ausland mit einschließt, werden US-Bodentruppen nicht daran teilnehmen", sagte ein Pentagon-Sprecher David Lapan laut BBC.

18:20 Uhr

Muammar al-Gaddafi hält sich nach Meinung der USA noch in Libyen auf. "Wir haben keine Informationen darüber, dass er das Land verlassen hat“, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, David Lapan.

19:09 Uhr

Im Kampf um Tripolis erwarten die Aufständischen einen Nato-Luftangriff auf die Truppen, die sich in der Residenz von Muammar al-Gaddafi verschanzt haben. Der arabische Nachrichtensender al-Arabija berichtete unter Berufung auf Rebellenkreise, nach Sonnenuntergang würden Kampfjets die Mauern der Anlage bombardieren. In der Residenz, um die es seit der Nacht auf Montag heftige Gefechte gab, halten nach früheren Angaben der Rebellen mehrere hundert afrikanische Söldner die Stellung. Ein Überläufer soll berichtet haben, dass sich dort auch der Gaddafi-Sohn Mutassim Billah al-Gaddafi aufhalte.

19:24 Uhr

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Libyen zugesichert, dass die Vereinten Nationen dem Land beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft nach Kräften helfen werden. "Die dramatischen Szenen in Tripolis, Libyen, zeigen, mit welchem Mut und Nachdruck sich das libysche Volk eine freie und demokratische Zukunft sichern will. Es ist nun äußerst wichtig, dass der Konflikt ohne weitere Verluste von Menschenleben beendet wird“, erklärte Ban.

19:32 Uhr

Al-Dschasira meldet, Mohammed al-Gaddafi sei aus dem Gewahrsam der Rebellen geflohen. Der älteste Sohn des libyschen Diktators war gestern festgenommen worden.

19:56 Uhr

Ein angeblich von Gaddafi entsandter Attentäter hat sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Tunis der Armee gestellt. Der libysche Oberst Abdelrasak Radschhi sei von Gaddafi beauftragt worden, einen Anschlag auf eine arabische Botschaft in Tunis zu verüben, sagte der tunesische Oberst Mochtar Ben Nasser in Tunis. Es seien sieben Kilo Sprengstoff und Zünder beschlagnahmt worden. Radschhi sei nicht festgenommen worden. Vielmehr sei ihm dafür gedankt worden, dieses Attentat abgewendet zu haben, sagte Ben Nasser. Radschhi sagte auf der Pressekonferenz, der Anschlag habe die "tunesische Revolution“ stören sollen.

20:29 Uhr

Libysche Rebellen haben den Flughafen der Hauptstadt Tripolis unter ihre Kontrolle gebracht, berichtet der Fernsehsender al-Arabija unter Berufung auf einen Sprecher der Rebellen.

20:49 Uhr

US-Präsident Barack Obama hofft auf einen raschen Aufbau der Demokratie in Libyen. "Die Rechte aller Libyer müssen respektiert werden“, sagte er in einer von den großen amerikanischen TV-Sendern ausgestrahlten Audio-Botschaft. Die USA seien bereit, dabei als "Freund und Partner“ zur Seite zu stehen. Zugleich rief Obama Muammar al-Gaddafi auf, die Macht aufzugeben. Gaddafi könne weiteres Blutvergießen verhindern, indem er die Regierungstruppen zurückziehe. Noch hätten die Rebellen den Machtkampf in Tripolis nicht endgültig gewonnen, mahnte Obama. "Es ist noch nicht vorbei.“

21:20 Uhr

Aus dem Hotel Rixos, in dem weiterhin viele ausländische Journalisten festgehalten werden, twittert der CNN-Reporter Matthew Chance (@mchancecnn), das Gebäude sei immer noch von der Stromversorgung abgeschnitten. Zuvor hatte er von Gefechtsgeräuschen auf der Straße vor dem Hotel berichtet.

22:24 Uhr

Ein Kampfflugzeug der Nato hat eine von Gaddafi-Truppen abgefeuerte Scud-Rakete abgefangen. Die Rakete war nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Dschasira aus Gaddafis Heimatstadt Sirte im Osten der Hauptstadt Tripolis abgefeuert worden.

23:43 Uhr

Nun bestätigen auch ranghohe Vertreter der Aufständischen in Bengasi, dass Mohammed al-Gaddafi die Flucht gelungen ist. Der Sohn Muammar al-Gaddafis war am Sonntag von den Rebellen in Tripolis gefangengenommen worden. Ein zweiter Sohn des libyschen Machthabers, Saif al-Islam, ist noch in der Gewalt der Rebellen.