Krieg in Libyen Dutzende verbrannte Leichen in einer Lagerhalle

Tabib und Faisal können froh sein, dass sie mit dem Leben davonkamen: Am Vortag waren in der Halle, vor der der Gefängniswagen steht, noch mehr als vier Dutzend verbrannte Leichen gelegen. Es waren die sterblichen Überreste von Gefangenen des Gaddafi-Regimes. Überlebende des Massakers in dem provisorischen Gefängnis nahe des internationalen Flughafens von Tripolis berichteten, drei oder vier Milizionäre hätten Handgranaten in die Lagerhalle geworfen, während andere Soldaten vom Dach aus mit Maschinenpistolen auf die Wehrlosen Gefangenen schossen. Später wurde das Gefängnis in Brand gesteckt.

Unter den Opfern des Massakers waren neben Zivilisten offenbar auch ein paar Gaddafi-Soldaten - sie sollen den Schießbefehl verweigert haben. Die Soldaten seien vor der Massenexekution aus dem Lagerhaus geholt und auf dem Hof erschossen worden. Dann hätten die Milizionäre begonnen, die Zivilisten in der Halle zu ermorden.

Vertreter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zählten die sterblichen Überreste von mindestens 45 Menschen in der ausgebrannten Wellblechhalle. Die Organisation geht aber von etwa 150 Toten allein in diesem Gefängnis aus: Manche Opfer waren bereits bestattet worden. Nur etwa 20 Menschen hätten während der Massenhinrichtung fliehen können.

Fathallah Abdallah ist einer von ihnen: Er konnte davonrennen, während die schießenden Soldaten stundenlang ihre Waffen nachluden. Der alte Mann floh aus dem Schuppen, versteckte sich unter einem der Gefängnis-Lastwagen auf dem Hof. Der BBC sagte er, dass die Wächter "immer wieder auf die Verletzten feuerten. Das ging so bis zwei oder drei Uhr nachts. Wer noch atmete, wurde umgebracht".

Abdallah verlor mindestens zwei seiner drei Söhne bei dem Massaker: Sie waren mit ihm im August in der Stadt Zlitan festgenommen worden. Der Libyer will in den Tagen vor dem Massenmord 150 Menschen in der Halle gesehen haben. Die Zustände seien furchtbar gewesen: "Die Menschen wurden hineingepfercht wie die Tiere. Wir lagen aufeinander, wir konnten den Boden mit den Füßen nicht erreichen."