Krieg in Libyen:Gaddafi will kämpfen - bis zum Sieg oder Tod

Lesezeit: 3 min

Seine Residenz in Tripolis hat Gaddafi an die Rebellen verloren. Doch in einer Audiobotschaft gibt sich der Diktator immer noch kämpferisch. Bab al-Asisija habe er aus taktischen Gründen aufgegeben, er selbst wolle bis zum "Märtyrertod oder Sieg" kämpfen. Sein Sprecher droht den Rebellen sogar mit einem jahrelangen Krieg um Tripolis. Tausende Gaddafi-Getreue seien in der Nacht in die Hauptstadt eingerückt.

Die Menschen in der Hauptstadt feiern. Mit Gejohle und Freudenschüssen. Sie feiern in Tripolis bereits den Beginn einer neuen Ära. In der gestürmten Residenz reißen Kämpfer den Kopf einer Gaddafi-Statue ab und treten auf ihn ein, plündern die Waffenlager auf dem Gelände. Auch in den Straßen der Rebellen-Hochburg Bengasi wird gefeiert. Doch mitten in der Nacht meldete sich plötzlich der verhasste Diktator zu Wort.

Krieg in Libyen: Rebellen feiern die Eroberung von Gaddafis Residenz in Tripolis.

Rebellen feiern die Eroberung von Gaddafis Residenz in Tripolis.

(Foto: AP)

Auch nach der Einnahme seiner Residenz durch die Aufständischen will Muammar al-Gaddafi weiter kämpfen, bis zum "Märtyrertod oder Sieg". Wie die britische BBC meldete, habe dies der Gaddafi-treue Sender al-Urubah in der Nacht zum Mittwoch unter Berufung auf eine Audiobotschaft des bedrängten Machthabers berichtet.

Die Rebellen hatten zuvor am Dienstag seine Residenz Bab al-Asisija in Tripolis eingenommen und damit einen wichtigen Etappensieg errungen. Wo sich Gaddafi aufhält, ist nicht bekannt.

Unterdessen rief die Übergangsregierung die Libyer zur Einheit auf. "Wir müssen uns jetzt auf den Wiederaufbau konzentrieren und darauf, die Wunden zu heilen", sagte Interims-Premier Mahmud Dschibril in einer am Dienstagabend vom arabischen Nachrichtensender al-Dschasira aus Doha übertragenen Pressekonferenz. Er versicherte, dass die Sicherheit in Tripolis und im ganzen Land wiederhergestellt werden würde. "Die Übergangsperiode hat jetzt begonnen."

Wie der Sprecher des Übergangsrats, Mahmud Shammam, dem US-Sender CNN sagte, wollte ein Teil der Minister der Übergangsregierung bereits am Mittwoch von der Aufständischenhochburg Bengasi in die Hauptstadt umziehen. "Die Hälfte der Regierung wird morgen in Tripolis sein", sagte er und nannte die Minister für Öl und Kommunikation sowie für das Innen-, das Verteidigungs- und das Gesundheitsressort. "Sie werden sich sofort an die Arbeit machen."

Nach erbitterten Kämpfen hatten die Aufständischen am Dienstag die Residenz Gaddafis erobert. Dschibril appellierte an die Verantwortung der Kämpfer. Gefangene sollten fair und nach den Regeln der Genfer Konvention behandelt werden.

Gaddafi bezeichnete die Aufgabe der Residenz den Berichten zufolge als "taktisches Manöver". Die Anlage sei bereits durch 64 Nato-Luftangriffe in den vergangenen Monaten zerstört worden, habe er in der Audiobotschaft gesagt. Auch sein Regierungssprecher Mussa Ibrahim sprach von einem kontrollierten Rückzug aus der Residenz, da sie keinem "militärischem oder strategischem Zweck" mehr gedient habe.

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