bedeckt München 25°

Krieg in Libyen: Deutsche Position:Wie sich Deutschland disqualifiziert

Doch die Resolution wirft die Frage auf, ob sie allein genügt, den Diktator zu stürzen. Die nächsten Tage werden das zeigen. Was nicht geschehen darf, ist zuzusehen, sollte Gaddafi zum Sturm auf Bengasi ansetzen: Wer eingreift, muss durchgreifen. Die Resolution 1973 bietet dazu viele Möglichkeiten, sie schließt nicht Bodentruppen, nur fremde Besatzungstruppen aus.

Militärisch ist die Resolution machbar. Man wird Flugplätze und Luftverteidigungs-Anlagen bombardieren und sie zum Teil elektronisch auszuschalten. Aber man muss den Luftraum über der Fläche eines 1,8 Millionen Quadratkilometer großen Staates lückenlos und rund um die Uhr überwachen können, man muss jede Flugbewegung erkennen und sie unverzüglich unterbinden können, sie notfalls durch Abschuss beenden.

Man braucht also Luftraumüberwachung und Jägerleitung durch Awacs-Flugzeuge, man braucht die Fähigkeit zum elektronischen Kampf, man braucht moderne Jagdflugzeuge und Luftbetankung, man braucht eindringfähige Jagdbomber, um notfalls Flugplätze, Radaranlagen und Flugabwehrstellungen mit großer Präzision bombardieren zu können, man braucht Spezialkräfte zur Rettung abgestürzter eigener Piloten und man muss wissen, wie man die libyschen Hubschrauber am Boden hält. Diese komplexe Operation muss man führen können, und das können nur zwei auf unserer Welt: Die USA und die Nato, die allerdings nur, weil die USA Mitglied sind.

Wenig Schwierigkeiten für die Nato

Das militärische Risiko ist für beide gering. Weder die veralteten libyschen Kampfflugzeuge noch die meist sowjetischen Flugabwehrwaffen sind für Nato-Kräfte ein ernstzunehmender Gegner. Man muss wegen des Einsatzes eigener Flugzeugträger auch die schwache libysche Marine im Auge behalten, doch man kann gelassen sagen: Die Überlebensdauer der libyschen Flotte wäre sehr begrenzt.

Zusätzlich muss die eingreifende Koalition in der Lage sein, libysche Bodentruppen aus der Luft nachhaltig bekämpfen zu können. Auch das ist keine Schwierigkeit für die Nato oder eine internationale Koalition. So bleibt zu bedenken, dass der Druck, mehr zu tun, nach einem Eingreifen rasch wachsen wird, wenn der schnelle Erfolg ausbleibt. Auch das wäre für die Nato kein militärisches Problem, wohl aber ein politisches.

Doch rechtfertigt das Gesagte die Enthaltung Deutschland im Sicherheitsrat? Ich meine: Nein. Ich schäme mich für diese Haltung meines Landes, das seine Freiheit und seinen Wohlstand auch der Bereitschaft seiner Verbündeten verdankt, für die Deutschen einzutreten und das noch nicht einmal den Traum der Einheit ohne sie hätte verwirklichen können.

So disqualifiziert man sich als Mitglied des UN-Sicherheitsrates, man isoliert sich in Europa und man verhindert, dass Europa mit einer Stimme spricht. Man tut also Alles, um die unersetzliche Verbindung mit den USA zu beschädigen. Es ist nicht weise, sich von German Angst leiten zu lassen und zu Sankt Florian zu beten. Beten muss man jetzt nur um Eines: Dass Deutschland nie wieder in die Lage kommen möge, zu seinem Schutz die Hilfe Anderer zu brauchen.

Klaus Naumann, 71, war von 1991 bis 1996 Generalinspekteur der Bundeswehr und anschließend bis 1999 Vorsitzender des Nato-Militärausschusses. In seine Amtszeit fiel der Kosovo-Krieg - unter deutscher Beteiligung.

© SZ vom 21.03.2011

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite