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Krieg in Libyen:Briten schicken Rebellen Militärberater zu Hilfe

Gaddafis Soldaten verkleiden sich als Zivilisten, missbrauchen Frauen und Kinder als Schutzschilde und schießen von Moscheedächern: Die Nato erhebt schwere Vorwürfe gegen die Truppen des libyschen Machthabers. Nun wollen die Briten den Rebellen Hilfe zur Selbstverteidigung schicken: Militärexperten sollen die Aufständischen bei ihrem Kampf gegen das Regime unterstützen.

Großbritanniens Außenminister William Hague hat die Entsendung britischer Militärberater nach Libyen zur Unterstützung der Rebellen angekündigt. Hague erklärte, erfahrene Offiziere der britischen Streitkräfte sollten britische Diplomaten verstärken, die in der Stadt Bengasi bereits mit den Rebellen kooperierten.

Rebellen in Misrata: Seit Beginn des Aufstandes gegen das Gaddafi-Regime wurden nach Angaben der Aufständischen bereits Zehntausende Menschen getötet oder verletzt.

(Foto: AFP)

Die Rebellen gehen bei ihren Aktionen häufig chaotisch vor, derzeit stockt der Vormarsch der Aufständischen. Die Luftangriffe der Nato halfen zwar, die Rebellenhochburg Bengasi von den Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi zu befreien. Doch inzwischen gibt es immer mehr Anzeichen, dass die Nato die Situation mit Luftschlägen nicht unter Kontrolle bekommt.

Der Kommandeur des Libyen-Einsatzes, Generalleutnant Charles Bouchard, berichtet im kanadischen Fernsehsender CBC, dass sich Gaddafis Soldaten als Zivilisten verkleidet in der Nähe von Krankenhäusern verstecken, von Moscheedächern schießen und Frauen und Kinder als Schutzschilde missbrauchen würden.

Großbritannien will nun den Rebellen mit militärischem Rat zur Seite stehen: Hague kündigte an, dass die Militärexperten die Rebellen bei der militärischen Organisation unterstützen und deren Logistik und Kommunikation verbessern sollten. Der Außenminister hob hervor, dass den Rebellen keine Waffen geliefert würden oder Unterstützung bei militärischen Operationen gegeben werde.

Die Stärke des Kontingents nannte er nicht. Zuvor hatte Hague mehrfach erklärt, Waffenlieferungen an die libyschen Rebellen seien nicht vorgesehen. Großbritannien hatte bisher bereits mit schusssicheren Westen und mit Satelliten-Telefonen geholfen.

Bereits vor einigen Tagen hatte der Guardian unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, dass Großbritannien überlege, die Aufständischen von ehemaligen britischen Elitesoldaten trainieren zu lassen.

Derweil hoffen UN-Hilfsorganisationen darauf, Zugang zu der seit Wochen belagerten Rebellenhochburg Misrata zu bekommen, um die humanitäre Lage einzuschätzen und Hilfslieferungen auf den Weg zu bringen. Die Chefin des UN-Nothilfebüros OCHA, Valerie Amos, und der UN-Sonderbeauftragter Abdul Ilah Chatib hätten dies am Wochenende von libyschen Vertretern zugesichert bekommen, teilten die UN mit. Bislang kann die eingeschlossene Stadt nur von See aus erreicht werden. Allerdings lehnt Libyen weiterhin Militäreskorten für diese Hilfslieferungen ab: Ein solcher Einsatz würde als militärische und nicht als humanitäre Aktion gewertet werden, sagte der stellvertretende Außenminister Chaled Kaim.

Der UN-Hilfskorridor ist inzwischen geöffnet. Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) kann damit auch über Land von Tunesien aus Hilfe für die unter dem Bürgerkrieg leidenden Menschen im Westen Libyens geleistet werden. Ein erster Konvoi aus acht Lastwagen mit 200 Tonnen Weizen und mehr als neun Tonnen energiereicher Kekse habe am Montag die tunesische Grenze in Richtung Libyen überquert. Die Nahrungsmittel sollen in Tripolis und anderen Städten verteilt werden. Das umkämpfte Misrata ist allerdings nicht darunter. Mit der Lieferung könnten fast 50.000 Menschen einen Monat lang ernährt werden.

Nach libyschen Oppositionsangaben vom Dienstag wurden in den vergangenen zwei Tagen bei den Angriffen auf Misrata Dutzende Menschen getötet. Im Hafen der Stadt sitzen immer noch mehr als 3000 afrikanische Gastarbeiter fest, die darauf warten, mit Schiffen internationaler Hilfsorganisationen in Sicherheit gebracht zu werden.

Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der zurzeit in Kairo zu Besuch ist, versprach Hilfe für die drittgrößte libysche Stadt. "Die Bilder aus Misrata sind bestürzend", sagte Westerwelle. "Wir werden die Menschen, die dort leiden, nicht alleine lassen." Deutschland wolle "seinen Beitrag dazu leisten, dass Hilfsgüter nach Misrata kommen, aber auch dass Menschen aus Misrata evakuiert werden können".