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Krieg in Gaza:Entführt geglaubter israelischer Soldat ist tot

Undated handout of Israeli soldier Hadar Goldin

Der entführt geglaubte israelische Soldat Hadar Goldin (hier auf einem undatierten Familienfoto) ist tot.

(Foto: REUTERS)

+++ Der vermisste Leutnant Hadar Goldin wurde nach Armeeangaben bei Kämpfen im Gazastreifen getötet +++ Die meisten Tunnel der Hamas seien zerstört, so Netanjahu. Dennoch werde Israel den Krieg fortsetzen +++ Israel entsendet keine Vertreter zu Verhandlungen in Kairo über Ende der Kämpfe +++

  • Der entführt geglaubte israelische Soldat Hadar Goldin ist tot. Nach Angaben der Armee ist er beim Kampf im Gazastreifen umgekommen. Das Militär war zuvor von einer Entführung durch die radikalislamische Hamas ausgegangen.
  • Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat eine Fortsetzung des Gaza-Einsatzes angekündigt - bis das Ziel erreicht sei, "den Frieden nach Israel zurückzubringen".
  • Likud-Politiker weist die von den Palästinensern verbreitete Zahl ziviler Opfer im Gaza-Konflikt als stark übertrieben zurück.
  • Die israelische Regierung schickt keine Vertreter nach Kairo
  • Israel: Flüchtlinge können in Norden des Gazastreifens zurück

Vermisster israelischer Soldat ist tot

Der entführt geglaubte israelische Leutnant Hadar Goldin ist nach Angaben des Militärs tot. Wie die israelischen Streitkräfte am frühen Sonntagmorgen mitteilten, wurde Goldin am Freitag beim Kampf im Gazastreifen getötet. Die Familie des Soldaten sei unterrichtet worden.

Israel hatte zunächst militante Palästinenser verdächtigt, den Soldaten verschleppt zu haben. Mit einem massiven Armee-Einsatz war nach dem Soldaten gesucht worden. Ganze Truppenformationen durchkämmten im südlichen Gazastreifen Häuser und verdächtige Orte, unterstützt von massivem Artilleriefeuer. Dabei wurden in der Folge mehr als hundert Palästinenser getötet.

Die meisten dieser Ziele lagen in der südlichen Stadt Rafah und ihrem Umland. Dort sollten militante Islamisten den 23 Jahre Leutnant am Freitagmorgen entführt haben. Der bewaffnete Arm der Hamas, die Al-Kassam-Brigaden, bestritt am Samstagmorgen, den Soldaten in seine Gewalt gebracht zu haben.

Netanjahu: Fortsetzung der Gaza-Offensive bis zum Erreichen der Ziele

Israel behält sich eine Fortsetzung des Militäreinsatzes im Gazastreifen auch nach der Zerstörung der Angriffstunnel der radikalislamischen Hamas vor. "Nach Beendigung der Anti-Tunnel-Operation werden die israelischen Verteidigungsstreitkräfte weiter in Einklang mit unseren Sicherheitsbedürfnissen handeln, bis wir unsere Ziele erreicht haben, die Sicherheit für die israelischen Bürger wieder herzustellen", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Samstagabend in einer Pressekonferenz.

Israelischer Vize-Außenminister: Fast die Hälfte der in Gaza Getöteten sind Terroristen

Vize-Außenminister Tsachi Hanegbi weist die von den Palästinensern verbreitete Zahl ziviler Opfer im Gaza-Konflikt als stark übertrieben zurück. Die Zahlen der Armee zeigten, dass rund die Hälfte der auf palästinensischer Seite Getöteten "Terroristen" seien, sagte er am Samstag im israelischen Fernsehen. "Die Nachforschungen der Armee sind sehr professionell und zuverlässig - mit Namen und Fotos - und kommen zu dem Schluss, dass mindestens 47 Prozent der Getöteten Terroristen sind", sagte Hanegbi. Diese Daten würden auch internationalen Ermittlern übergeben, kündigte der Likud-Politiker an.

Nach palästinensischer Darstellung sind mindestens 80 Prozent der bislang über 1600 Opfer auf palästinensischer Seite Zivilisten, darunter Hunderte Kinder. Auf israelischer Seite kamen bisher 63 Soldaten und drei Zivilisten um. Die israelische Regierung beteuert immer wieder, alles zu unternehmen, um zivile Opfer bei den Angriffen auf Gaza zu vermeiden. Zuletzt hatte aber auch die US-Regierung ungewöhnlich deutliche Kritik am engen Verbündeten geübt und erklärt, es müsse mehr unternommen werden, um Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden.

Israel lehnt Teilnahme an Nahost-Verhandlungen am Samstag ab

Israel wird nach Angaben aus Regierungskreisen am Samstag keine Vertreter zu den Verhandlungen in Kairo über eine Beendigung der Kämpfe im Gazastreifen entsenden. Ein Vertreter der Regierung warf der radikal-islamischen Hamas zugleich vor, sie führe internationale Vermittler in die Irre. "Hamas ist an einer Beilegung nicht interessiert", sagte der Regierungsvertreter. Ursprünglich hatte Israel seine Teilnahme an den Verhandlungen in der ägyptischen Hauptstadt zugesagt. Das war jedoch, bevor am Freitag eine maßgeblich von Ägypten vermittelte dreitägige Feuerpause keine zwei Stunden nach ihrem Beginn gescheitert war. Israel machte dafür Hamas-Kämpfer verantwortlich, die Soldaten aus einem Tunnelsystem heraus angegriffen hatten.

In Kairo wurden am Samstag Vertreter verschiedener Palästinenser-Organisationen zu Gesprächen erwartet. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte am Vormittag deutlich gemacht, dass er die Verhandlungen nicht verloren gibt. "Verlorene Zeit macht die Situation immer komplizierter", sagte al-Sisi vor Journalisten in Kairo.

Israel: Flüchtlinge können in Norden des Gazastreifens zurück

Israel hat palästinensischen Flüchtlingen aus Beit Lahija im Norden des Gazastreifens zugesichert, dass sie am Samstag in ihre Wohnungen zurückkehren könnten. Den Einwohnern werde aber geraten, sich vor Sprengkörpern in acht zu nehmen, die von der radikal-islamischen Hamas über das Gebiet verteilt worden seien, teilte das israelische Militär in Jerusalem weiter mit. In Beit Lahija leben etwa 70.000 Menschen. Viele waren vor den Kämpfen zwischen den israelischen Streitkräften und der Hamas geflohen.

Millionenunterstützung aus den USA

Der US-Kongress gab die finanzielle Unterstützung der israelischen Raketenabwehr in Höhe von 225 Millionen Dollar (knapp 168 Millionen Euro) frei. Das Repräsentantenhaus in Washington stimmte am späten Freitagabend mit 395 zu acht Stimmen für die Ausstattung des Systems "Iron Dome" (Eiserne Kuppel). Der Senat hatte vor dem Beginn seiner Sommerpause zugestimmt. Nun steht noch die Unterschrift von US-Präsident Barack Obama aus.

Mit dem Geld soll "Iron Dome" wieder mit ausreichend Abfangraketen ausgestattet werden. Das System soll aus dem Gazastreifen abgeschossene Raketen erkennen und sie zerstören, bevor sie ihr Ziel in Israel erreichen.

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© SZ.de/dpa/Reuters/jasch/lala/mike/odg
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