Krieg in der Ukraine Kritik an Satellitenbildern der Nato

Ihre Kritik beruht vor allem auf den von der Nato vorgelegten Satellitenbildern aus dem russisch-ukrainischen Grenzgebiet.

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Wie viel Stärke kann die Nato zeigen, ohne Russland zu provozieren?

Wendepunkt für die Nato: In Wales werden die Mitglieder des Bündnisses entscheiden, wie künftig die Beziehung zu Russland aussehen wird. Noch sind sie uneins, wie drastisch das Bündnis auf Moskaus Eingreifen in den Ukraine-Konflikt reagieren soll.   Diskutieren Sie mit uns.

Sie hätten "beträchtliche Erfahrung mit dem Sammeln, Analysieren und Zusammenfassen aller Arten von Satelliten- und anderen Bildern, sowie mit anderen nachrichtendienstlichen Informationen", betonen die VIPS. Und sie kommen zu dem Schluss, diese Aufnahmen seien eine "sehr fadenscheinige Basis, um Russland eine Invasion der Ukraine vorzuwerfen".

Die Frage nach der Beweiskraft dieser Bilder war auch von westlichen Medien bereits aufgeworfen worden. Allerdings dürften der Nato bessere Aufnahmen der russischen Truppenbewegungen zur Verfügung stehen als die veröffentlichten Bilder des kommerziellen Digital-Globe-Satelliten - Aufnahmen, die vermutlich nicht gezeigt werden, um die technischen Möglichkeiten des Militärbündnisses nicht offenzulegen.

Anders als westliche Militärs und auch Journalisten, die in der Ukraine unterwegs waren, halten die Ex-Geheimdienstler es für "alles andere als klar", dass die Separatisten zum gegenwärtigen Zeitpunkt Unterstützung durch russische Panzer und Artillerie erhalten hätten. Bislang, so deuten sie an, waren die prorussischen Milizen schon deshalb relativ erfolgreich, weil sie besser geführt wurden als die ukrainische Armee.

Appell an Angela Merkel

Russland helfe den Separatisten tatsächlich - aber ihrer Meinung nach vor allem mit Informationen, die für die Gefechte relevant sind. Allerdings hätten sie keinerlei Zweifel daran, "dass die Panzer kommen, falls und wenn die Föderalisten (die Separatisten; Anm. d. Red.) sie benötigen".

So weit muss es ihrer Meinung nach nicht kommen. Die ehemaligen Geheimdienstler fordern einen Waffenstilstand und zugleich ein Signal an Kiew und Moskau, dass eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine kein Thema ist.

Auch wenn die Kritik der VIPS einige Schwächen aufweist: Als plumpe Verschwörungstheoretiker lassen sie sich nicht abtun. Dem Magazin Mother Jones zufolge hat die Gruppe einige der verlässlichsten und kritischsten Analysen der Geheimdienstarbeit unter Bush Junior veröffentlicht. Coleen Rowley war 24 Jahre FBI-Agentin. Nach 9/11 kritisierte sie die Arbeit ihrer Behörde. 2002 wurde die Whistleblowerin vom Magazin Time zur Person des Jahres gekürt. Ray McGovern gehörte zu den CIA-Analysten, die George Bush Senior im Weißen Haus über die Erkenntnisse des Geheimdienstes informierte. Inzwischen zieht der politische Aktivist offen die offizielle Version der Anschläge vom 11. September in Zweifel und unterstützt den NSA-Whistleblower Edward Snowden.

Dass die Gruppe sich ausgerechnet an Angela Merkel wendet, hängt damit zusammen, dass ihr Vorgänger Gerhard Schröder sich von den angeblichen Belegen für irakische Massenvernichtungswaffen nicht hatte überzeugen lassen. Die Gruppe hofft auf eine ähnliche Reaktion der Kanzlerin.