Krieg im Irak Amnesty prangert Verbrechen an Zivilisten in Mossul an

  • Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft irakischen Truppen und der US-Geführten Allianz gegen den "IS" mögliche Kriegsverbrechen vor.
  • Bei der Befreiung Mossuls seien unverhältnismäßig schwere Waffen eingesetzt worden.
  • Die Tatsache, dass die Tarnorganisation Bewohner als Schutzschilde missbrauche, entbinde die Gegenseite nicht von der Pflicht, Zivilisten zu schonen.

Amnesty International wirft den irakischen Streitkräften und den Koalitionstruppen vor, bei der Befreiung der irakischen Stadt Mossul vom "Islamischen Staat" (IS) unverhältnismäßig schwere Waffen eingesetzt zu haben. So seien beispielsweise Mitte März bei einem Luftangriff der USA auf Mossul mindestens 105 Zivilisten getötet worden, heißt es in einem nun veröffentlichten Bericht. Ziel dieses Angriffs auf den Stadtteil al-Jadida seien zwei IS-Scharfschützen gewesen.

In dem Bericht hat Amnesty International nach eigenen Angaben dokumentiert, wie die US-geführten Koalitionstruppen und irakischen Streitkräfte bei ihren Angriffen regelmäßig ihr militärisches Angriffsziel verfehlten und stattdessen Zivilpersonen verletzten und töteten oder zivile Objekte zerstörten. In einigen Fällen könne die Verletzung oder der Tod von Zivilpersonen offenbar entweder auf unangemessen schwere Waffen oder unzureichende Sorgfalt bei der Identifizierung militärischer Ziele hinweisen, heißt es. "In einigen Fällen könnten diese Menschenrechtsverletzungen Kriegsverbrechen darstellen", heißt es in dem Bericht.

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Die Stadt galt als Hochburg des "Islamischen Staats". Nun soll Mossul nach drei Jahren von der Terorristenmiliz befreit sein.

Für den Bericht wurden laut Amnesty unter anderem Interviews mit 151 Bewohnern von West-Mossul sowie mit medizinischem Personal und Rüstungsexperten geführt. Dokumentiert seien darin insgesamt 45 Angriffe, bei denen mindestens 426 Zivilisten getötet und mehr als 100 verletzt wurden. Neun Angriffe durch irakische Streitkräfte und die US-geführten Koalitionstruppen seien analysiert worden.

Weil die Islamisten die Zivilbevölkerung in umkämpfte Gebiete zwang und sie an der Flucht hinderte, hätten sich die vom IS kontrollierten Gegenden in West-Mossul im Zuge der Kampfhandlungen zunehmend mit Zivilisten gefüllt. Doch die irakischen Streitkräfte und US-geführten Koalitionstruppen hätten ihre Taktiken nicht an diese neue Situation angepasst. Stattdessen hätten sie weiterhin unpräzise explosive Waffen eingesetzt, die in bevölkerungsreichen Stadtgebieten verheerende Schäden anrichteten.

"Die Tatsache, dass der IS Menschen als Schutzschilde einsetzt, entbindet die Truppen der Gegenseite nicht von ihrer rechtlichen Verpflichtung, Zivilpersonen zu schützen", erklärte die Amnesty-Nahostexpertin Lynn Maalouf. Der Kampf gegen den IS nicht nur in Mossul, sondern auch anderswo müsse in einer Weise geführt werden, die mit dem Völkerrecht und internationalen Standards vereinbar ist.

Auch dürfe die absolute Missachtung menschlichen Lebens seitens aller Konfliktparteien nicht unbestraft bleiben. Dafür müsse umgehend eine unabhängige Kommission eingesetzt werden, um mögliche völkerrechtliche Verstöße zu untersuchen.

Am Montag hatte der irakische Regierungschef Haider al-Abadi rund acht Monate nach dem Beginn einer Großoffensive den endgültigen Sieg über die IS-Miliz in Mossul verkündet. Die Dschihadisten hatten die Stadt 2014 überrannt und in den von ihnen eroberten Gebieten im Irak und in Syrien ein "Kalifat" ausgerufen. Die irakischen Truppen begannen dann im Oktober mit der Rückeroberung von Mossul.

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Die Leichen sollen anschließend in einem Krematorium verbrannt worden sein. Die US-Regierung stützt sich bei ihren Vorwürfen unter anderem auf Berichte von Menschenrechtlern.