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Krieg im Gaza-Streifen:Gerüstet fürs Verderben

Israels Krieg gegen die Hamas nützt auch der Fatah. Das heizt den Machtkampf der beiden palästinensischen Organisationen an.

Die israelische Regierung hütet sich davor, genau zu formulieren, was eigentlich das Ziel der Vergeltungsoffensive im Gaza-Streifen ist. Die Untersuchungskommission zum Libanonkrieg hatte Regierungschef Ehud Olmert vorgeworfen, planlos und überstürzt im Sommer 2006 den Krieg gegen die Hisbollah-Miliz gestartet zu haben.

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Protestierender Palästinenser in der jordanischen Hauptstadt Amman. Jeder zweite Jordanier stammt von den etwa 800.000 Palästinensern ab, die seit 1948 während der Kriege gegen Israel aus dem Heiligen Land geflohen waren.

(Foto: Foto: Reuters)

Olmert, der jetzt wenige Wochen vor dem Ausscheiden aus dem Amt des Premierministers den zweiten Krieg zu verantworten hat, war zudem vorgeworfen worden, die erklärten Kriegsziele damals nicht verwirklicht zu haben. Olmert hatte versichert, Hisbollah solle entwaffnet und zerstört werden.

Das Ziel lautet: die Fatah an die Macht bringen

Tatsächlich aber hat die schiitische Miliz heute wieder ihre Waffenarsenale gefüllt, zerstörte Bunker renoviert und Tausende neue Mitglieder rekrutiert. Vage und vorsichtig formuliert Olmert daher nun, mit der Offensive "Gegossenes Blei" solle die "Sicherheitslage im Süden Israels" geändert werden.

Verteidigungsminister Ehud Barak wurde konkreter und sagte, Israels Armee sei gewillt, bis "zum bitteren Ende" zu kämpfen. Doch blieb er die Antwort schuldig, was das bittere Ende für ihn bedeutet.

Die massiven Luftangriffe deuten jedoch darauf hin, dass Israel nicht nur an der Zerstörung von Waffendepots und Tunnel der Hamas interessiert ist, sondern die 1987 als Abspaltung der ägyptischen Muslimbruderschaft gegründete Organisation gleich ganz stürzen und zerstören möchte.

Entweder, heißt es in israelischen Medien, Hamas kapituliere freiwillig, oder aber Israel werde tatsächlich eine Bodenoffensive starten.

Das langfristige Ziel Israels ist es, die Verantwortung für den Gaza-Streifen komplett abzugeben und Ägypten zu übertragen - was Ägypten wiederum verhindern möchte. Deshalb weigert sich auch Staatschef Hosni Mubarak, die Rafah-Grenze zum Gaza-Streifen zu öffnen.

Da Israels Regierung sich weigert, mit der radikalislamischen Hamas zu verhandeln, ist das kurzfristige Ziel für den Gaza-Streifen, dort wieder die Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Machmud Abbas an die Macht zu bringen.

Zehntausende Mitarbeiter der Autonomiebehörde, die der Fatah angehören, haben seit dem Putsch der Hamas im Juni 2007 nicht mehr für die Behörde gearbeitet, aber weiterhin ihren Lohn überwiesen bekommen, damit sie Abbas treu bleiben.

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