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Krieg gegen Gaddafi:G 8: Russland soll in Libyen vermitteln

Seit Wochen bombardiert die Nato Libyens Hauptstadt Tripolis, doch ein Ende von Gaddafis Regime ist nicht in Sicht. Nach dem Willen der G8 soll nun Russland in dem Krieg vermitteln. Gaddafi selbst leidet offenbar verstärkt unter "paranoiden Zügen" - er soll sich Nacht für Nacht in Krankenhäusern verstecken.

Russland ist nach Kremlangaben von den G8 zur Vermittlung im Libyen-Konflikt aufgefordert worden. "Bei jedem bilateralen Treffen ist dieser Wunsch deutlich geworden", sagte die Sprecherin von Kremlchef Dmitrij Medwedjew, Natalia Timakowa, nach Angaben russischer Agenturen. Medwejdew hatte sich am Rande des G-8-Gipfels in Deauville mit US-Präsident Barack Obama, dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und dem britischen Premierminister David Cameron getroffen.

Der libysche Ministerpräsident Al-Baghdadi Al-Mahmudi habe in einem Telefongespräch mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow um Hilfe bei der Vermittlung eines Waffenstillstandes sowie bei Verhandlungen ohne Vorbedingungen gebeten, hieß es. Es gebe eine echte Chance für ein Abkommen, teilte das Außenministerium in Moskau mit. Aber die Libyer müssten Verantwortung für das Schicksal ihres Landes und ihres Volkes übernehmen.

Die UN-Vetomacht Russland hatte die Resolution des Weltsicherheitsrates gegen das Regime des libyschen Machthabers Gaddafi durch Enthaltung ermöglicht. Allerdings hatte Moskau die Umsetzung der Resolution durch die Nato stark kritisiert. Das westliche Bündnis fliegt in Libyen seit zwei Monaten Luftangriffe, ein Ende der Kämpfe zeichnet sich nicht ab.

Eine Allianz unter Führung von Großbritannien, Frankreich und den USA bombardiert seit Wochen Ziele in Libyen. Sie will nach eigener Darstellung die Zivilbevölkerung schützen, da die Proteste gegen die Regierung des Machthabers Muammar al-Gaddafi mit Waffengewalt zerschlagen werden. Allerdings zeichnet sich kein Ende der Kämpfe ab. Die libysche Hauptstadt Tripolis ist in der Nacht auf Freitag erneut von schweren Detonationen erschüttert worden. Auch in den Nächten zuvor hat die Nato Ziele in Tripolis bombardiert.

Die USA hatten am Donnerstag den jüngsten Vorschlag Libyens für eine Waffenruhe als unglaubwürdig zurückgewiesen. Die Aufständischen in Libyen lehnen jede Einigung ab, die nicht einen Rücktritt des seit mehr als vier Jahrzehnten herrschenden Gaddafi beinhaltet.

Der libysche Machthaber selbst befinde sich einem Bericht des Guardian zufolge geradezu "paranoid" auf der Flucht: Nachts soll er sich in Krankenhäusern verstecken. Dies habe der britische Geheimdienst MI6 der Regierung von David Cameron mitgeteilt. Dies habe den britischen Premier dazu bewegt, nach Frankreich den Einsatz von Kampfhubschraubern in Libyen zu bewilligen.

Britische Diplomaten: Konflikt eskalieren

Der Guardian zitiert in seinem Bericht britische Diplomaten mit den Worten: "Es gibt sicherlich eine Verbindung zwischen dem erhöhten militärischen Druck und dem, was wir als Gaddafis Geistesverfassung beschreiben würden. (...) Der Eindruck verstärkt sich, dass der Mann immer mehr unter Verfolgunswahn leidet, während sein Regime immer stärker unter Druck gerät und beginnt auseinanderzubrechen." Den Diplomaten zufolge sei nun der richtige Zeitpunkt, um den Konflikt zu eskalieren. Die Tatsache, dass Gaddafi sich von einem Platz zum anderen bewege, zeige, dass er besorgt ist, dass sein Volk wissen könnte, wo er stecke.

Cameron und sein Verteidigungsminister Liam Fox seien deshalb übereingekommen, dass britische Apache-Kampfhubschrauber in die Nato-Operationen eingreifen könnten, hieß es in Regierungskreisen in London. Die Briten wollen vier Apache einsetzen, die Franzosen haben insgesamt 19 Helikopter entsandt. Die implizite Drohung, die sich dahinter nach dem Bericht des Guardian verberge, sei, dass es so einfacher sei, Gaddafi zu töten. Dies wies allerdings der französiche Außenminister, Alain Juppé zurück: "Wir wollen ihn nicht töten", sagte er. "Wir sind keine Mörder."

Frankreich hatte zuvor durchblicken lassen, dass es in Libyen Kampfhubschrauber erst dann einsetzen werde, wenn dies auch Großbritannien tue, berichtete die französische Webseite lepoint.fr. Präsident Nicolas Sarkozy habe den Einsatz beschlossen, da die Operation in Libyen bislang nicht den erwünschten Erfolg erzielt habe, heißt es dort weiter.