Krieg in Nahost:Bilder von Gefangenen sorgen für Debatte

Aufnahmen zeigen Dutzende festgenommene Palästinenser im Gazastreifen - halb nackt und mit auf dem Rücken gefesselten Händen. Laut einer Menschenrechtsorganisation sollen Zivilisten von der israelischen Armee misshandelt worden sein.

Von Alexandra Föderl-Schmid

In den sozialen Medien kursieren Aufnahmen von Massenfestnahmen von Palästinensern durch die israelische Armee im Gazastreifen. Ein Bild, das die in Genf ansässige Menschenrechtsorganisation Euro-Mediterranean Human Rights Monitor veröffentlichte, zeigt halb nackte Männer mit verbundenen Augen auf Knien und auf dem Rücken zusammengebundenen Händen, die im Wüstensand hocken und von Soldaten bewacht werden.

Die Organisation hat eigenen Angaben zufolge Berichte erhalten, wonach "die israelische Armee Dutzende palästinensische Zivilisten festhält und schwer misshandelt". Betroffen sein sollen auch "Ärzte, Akademiker, Journalisten und ältere Männer". Nach Angaben des US-Senders CNN soll die Aufnahme in Beit Lahia, nördlich von Gaza-Stadt, entstanden sein. Andere Medien berichten hingegen, dass die Bilder aus Jabalia seien. Beide Orte befinden sich unmittelbar nebeneinander im Norden des Gazastreifens, wo die israelische Armee mit aller Härte gegen die Hamas vorgeht.

"Sie verstecken sich im Untergrund, kommen heraus und wir bekämpfen sie."

Laut Recherchen des Senders sollen sich zumindest einige der Festgenommenen, die auf dem Bild zu sehen sind, freiwillig ergeben haben und keine Verbindung zu militanten Gruppen im Gazastreifen aufweisen. CNN bezieht sich dabei auf Gespräche mit Verwandten und einem Arbeitgeber, einer Nachrichtenwebsite. Auf Anfragen von CNN reagierte die israelische Armee nicht.

Die Times of Israel berichtet, dass der Sprecher der israelischen Armee, Daniel Hagari, in einem Briefing indirekt auf die Vorwürfe einging: Er sagte, Jabalia und Shejaija seien Zentren für Terroristen, die von der israelischen Armee bekämpft würden. "Sie verstecken sich im Untergrund, kommen heraus und wir bekämpfen sie." Es gebe Untersuchungen, wer Verbindungen zur Hamas habe und wer nicht. "Wir nehmen alle fest und verhören sie." Eine weitere Aufnahme, die in den sozialen Medien kursiert, zeigt zusammengepferchte Männer auf der Ladefläche eines israelischen Militärfahrzeugs. Ein anderes Bild zeigt Männer, die in einer Straße in einer Reihe hintereinander knien - ebenfalls nur mit Unterhosen bekleidet und die Hände auf den Rücken gebunden.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusJahresrückblick 2023
:Eine Zäsur im Nahen Osten

Erst löste die bisher rechteste Regierung Massenproteste aus, dann rückte Israel nach dem Hamas-Terror zusammen. Der Krieg führte auch der Welt vor Augen, dass dieser Dauerkonflikt zwischen Israelis und Palästinensern befriedet werden muss.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: