Krieg:Bericht: Kämpfe um Hilfslieferungen im Gazastreifen

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Rafah im Dezember: Palästinenser versammeln sich mit Töpfen, um an einer von einer Wohltätigkeitsorganisation eingerichteten Spendenstelle Essen zu erhalten. Die humanitäre Lage im Gazastreifen ist nach fünf Monaten Krieg katastrophal. Foto: Mohammed Talatene/dpa (Foto: dpa)

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Gaza (dpa) - Angesichts der großen Not im Gazastreifen ist es dort einem US-Medienbericht zufolge zu heftigen Rangeleien um Hilfsgüter gekommen. Aufnahmen des Senders CNN zeigen, wie verzweifelte Männer auch unter Einsatz von Peitschenhieben versuchen, sich aus der Luft abgeworfene Hilfslieferungen zu sichern.

Dem Bericht zufolge schwammen und paddelten Menschen zunächst aufs Meer hinaus, um Güter zu erreichen, nachdem ein Abwurf aus einem Hilfsflugzeug den Angaben nach womöglich sein Ziel verfehlt hatte. An Stränden im zentralen Gazastreifen sowie im Süden des Küstengebiets drängten sich den Angaben nach Hunderte Palästinenser, um Teile der Lieferung abzubekommen. Die CNN-Aufnahmen zeigen, wie einige Menschen auch mit Hilfe von langen Holzstöcken versuchten, die Menge von ihren aus dem Meer gefischten Gütern fernzuhalten. 

In dem Bericht ist auch zu sehen, wie sich kleine Mädchen und Jungen um Hilfslieferungen drängen. Frauen und Kinder im Norden des Küstengebiets warteten zudem in langen Schlangen, um Suppen aus Körnern und schmutzigem Wasser zu bekommen, hieß es weiter.

Katastrophale humanitäre Lage, Kollaps der öffentlichen Ordnung

Die humanitäre Lage im Gazastreifen ist nach fünf Monaten Krieg katastrophal. Die Menschen leiden an Hunger und Durst, weil weder gelieferte Lebensmittel noch Trinkwasser für die 2,2 Millionen Menschen in dem Küstengebiet reichen. Die Menge der Hilfslieferungen hat sich nach UN-Angaben im Februar im Vergleich zum Vormonat halbiert. Vertreter der Vereinten Nationen warnen vor dem Hungertod Tausender Zivilisten. 

Nach Angaben des UN-Nothilfebüros OCHA gibt es zudem Anzeichen dafür, dass im Zuge des Kriegs die öffentliche Ordnung im Gazastreifen zusammenbricht. Es gebe Banden, die sich an Hilfslieferungen bereichern wollten, sagte OCHA-Sprecher Jens Laerke in Genf. Lastwagen mit Hilfsgütern würden öfter nur wenige Hundert Meter hinter der Grenze angehalten und geleert. Die Güter tauchten später auf Schwarzmärkten auf. Es gibt den Angaben nach praktisch keine Polizeipräsenz mehr.

OCHA und andere Hilfsorganisationen kritisieren, dass Israel nicht genügend Hilfslieferungen zulässt. Israel wiederum sagt, die Organisationen arbeiteten zu langsam beim Transport und bei der Verteilung der Güter. Vom Welternährungsprogramm WFP hieß es jüngst, die Bedingungen im Gazastreifen ließen humanitäre Lieferungen kaum zu. Helfer würden behindert und Konvois geplündert.

Israels Armee teilte mit, in Zusammenarbeit mit den USA, Frankreich und mehreren arabischen Ländern seien in den vergangenen Tagen Hilfsgüter für die Bewohner des südlichen Gazastreifens aus der Luft abgeworfen worden. 160 Pakete mit Lebensmitteln und medizinischer Ausrüstung wurden demnach auf diese Weise für Menschen sowie für ein jordanisches Feldlazarett bereitgestellt. Ob es sich dabei um die Güter handelte, von denen im CNN-Bericht die Rede war, ist unklar.

© dpa-infocom, dpa:240228-99-154366/3

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