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Südkaukasus:Gefechte trotz Waffenruhe in Bergkarabach

Konflikt in Berg-Karabach

In dem Konflikt sind inzwischen mindestens 500 Menschen ums Leben gekommen, die Dunkelziffer liegt weit höher.

(Foto: dpa)

Aserbaidschan und Armenien werfen sich gegenseitig massiven Beschuss vor, sogar in einem Wohngebiet sollen Menschen getötet worden sein.

Ungeachtet internationaler Appelle zur Einhaltung der neuen Waffenruhe dauern die schweren Gefechte um die Südkaukasusregion Bergkarabach an. Die verfeindeten Nachbarländer Aserbaidschan und Armenien werfen sich gegenseitig massiven Beschuss in der Konfliktregion vor. Am Samstagmittag war eigentlich eine von Russland vermittelte Waffenruhe in Kraft getreten. Diese wurde aber schon kurz nach Inkrafttreten gebrochen.

Die Behörden der nicht anerkannten Republik Bergkarabach - Eigenbezeichnung Arzach - teilten mit, dass es erneutes Raketen- und Artilleriefeuer von aserbaidschanischer Seite gebe. Das Verteidigungsministerium in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku wiederum warf Armenien vor, zuerst geschossen zu haben. Das Außenministerium twitterte dazu, dass es einen armenischen Raketenangriff auf Gəncə (Gändschä; engl. Ganja), die zweitgrößte Stadt des Landes, gegeben habe. Dabei seien sieben Menschen getötet und 33 verletzt worden.

"Das ist eine absolute Lüge, Aserbaidschan bereitet den Boden für aggressive Handlungen gegen friedliebende Ortschaften vor", sagte eine Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums in Eriwan. Der Gegner sei zum Angriff aus allen Richtungen übergangen, hieß es.

Die Anzahl der getöteten Zivilisten sei auf 31 gestiegen, teilten die Behörden in Bergkarabach mit. Die Anzahl der getöteten Karabach-Soldaten liege bei 525. Auch in Aserbaidschan kamen viele Zivilisten ums Leben. Das Land machte bislang keine genauen Angaben zu Verlusten in den eigenen Reihen.

Die beiden Ex-Sowjetrepubliken kämpfen seit Jahrzehnten um die bergige Region, in der rund 145 000 Menschen leben. Bergkarabach wird quasi von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet und weitere Territorien. Es wird von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe. Die Türkei steht in dem Konflikt auf der Seite Aserbaidschans, während Armenien Russland als Schutzmacht sieht.

© SZ/dpa/mpu/saul/cat
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