Tunnelpatin Gerlinde Kretschmann:Unterirdisch

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Winfried Kretschmann ist Ministerpräsident

Ehepaar Kretschmann: Die Frau des Ministerpräsidentin wird Tunnelpatin der Bahn.

(Foto: dpa)

Dem ersten Anlauf der Deutschen Bahn hatte sich Baden-Württembergs First Lady Gerlinde Kretschmann gerade noch entziehen können. Sie sollte Tunnelpatin für Stuttgart 21 werden. Weil ihr Mann das Projekt aber staatsmännisch unterstützen muss, übernimmt sie nun eine Patenschaft nach Maß.

Von Roman Deininger, Stuttgart

Den grünen Strategen im Stuttgarter Staatsministerium dürften die Köpfe geraucht haben, und auch in einem kleinen, hübsch renovierten Bauernhaus im Sigmaringer Ortsteil Laiz wird die familieninterne Debatte sicher angeregt gewesen sein. Knifflige Fragen, sagt der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann ja gern, müsse man erst sorgfältig abwägen, dann aber auch "kraftvoll" entscheiden. Und genau das haben er und seine Frau jetzt getan, ihre Entscheidung ist nicht einfach nur kraftvoll, sondern fast ein wenig kühn: Gerlinde Kretschmann wird Tunnelpatin.

Die von der Deutschen Bahn angetragene Ehre ereilt die volksnahe First Lady des Südwestens im zweiten Anlauf, dem ersten hatte sie sich gerade noch entziehen können. Den dramatischen Entscheidungsprozess im Juni konnte man in Teilen sogar öffentlich verfolgen, bei einer Pressekonferenz warf der Ministerpräsident die Stirn in Falten und verkündete: "Ich würde meiner Frau abraten, das zu machen."

Damals ging es um die Patenschaft für den Fildertunnel, der irgendwann in den frühen 2020er Jahren den neuen Tiefbahnhof Stuttgart 21 mit dem Flughafen verbinden soll. Hätte Gerlinde Kretschmann, 65, ihre schützende Hände über diese Bohrmaßnahme ausgebreitet, wären sie und ihr Gatte wohl gezwungenen gewesen, daheim in Laiz eine enorm hohe Mauer zu errichten und sich dahinter vor den zürnenden S21-Gegnern zu verschanzen.

Stuttgart 21 wird gebaut, und der grüne Regierungschef will der Protestbewegung, die ihn ins Amt gehoben hat, zumindest glaubhaft vermitteln, dass ihm das alles keinen allzu großen Spaß bereitet. Gleichzeitig muss er das Projekt aber staatsmännisch unterstützen, immerhin ist das Land Partner der Bahn.

Deshalb übernimmt seine Frau nun eine Patenschaft nach Maß. Sie soll über jene Grabungen wachen, die am weitesten von Stuttgart entfernt sind: über den Alb-Abstiegs-Tunnel hinunter nach Ulm, der formal nicht zu Stuttgart 21 gehört, sondern zur Neubaustrecke nach München. Für 2014 ist der Anstich geplant, Gerlinde Kretschmann wird den Job wohl mit einem Riesenbohrer erledigen dürfen. Bislang, teilt die Bahn stolz mit, liege man beim von Frau Kretschmann betreuten Bauabschnitt "deutlich unter dem Kostenplan".

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