Kreml-Gegner in Russland Gericht setzt Haftstrafe für Nawalny zur Bewährung aus

Er gilt als einer der führenden Köpfe der russischen Opposition, doch die Justiz verurteilte Alexej Nawalny wegen angeblicher Unterschlagung zu einer Haftstrafe. Das rief massive Proteste hervor - jetzt hat ein russisches Gericht die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Ein russisches Gericht hat die fünfjährige Haftstrafe gegen den bekannten Oppositionspolitiker Alexej Nawalny zur Bewährung ausgesetzt. Das entschied Richter Albert Prytkow in der Stadt Kirow, meldete die Agentur Interfax.

Der zu einer Gefängnisstrafe verurteilte Kremlgegner Nawalny hatte zu Beginn der Berufungsverhandlung Freispruch gefordert. Das im Juli gesprochene Urteil wegen Veruntreuung sei "ungesetzlich und politisch motiviert", sagte der Gegner von Präsident Wladimir Putin.

Nawalny soll die staatliche Holzfirma Kirowles schlecht beraten haben und für deren Verlust von etwa 16 Millionen Rubel (etwa 372.000 Euro) verantwortlich sein. Das Urteil: fünf Jahre Lagerhaft. Das Verfahren war Monate vorher eigentlich eingestellt worden, wurde dann aber plötzlich wieder aufgerollt.

Tausende gingen auf die Straße und demonstrierten gegen die Haftstrafe für den Kremlgegner, auch andere oppositionelle Politiker schlossen sich den Protesten an. Einen Tag später kam Nawalny überraschend frei - offiziell, weil der Schuldspruch vom Juli noch nicht rechtskräftig war.

Deswegen blieb Nawalny auch auf freiem Fuß und durfte im September bei der Moskauer Bürgermeisterwahl kandidieren. Mit gut 27 Prozent der Stimmen gelang Russlands bekanntem Korruptionsgegner dabei ein Achtungserfolg. Allerdings wird Nawalny selbst unter einigen Kreml-Kritikern für seinen zum Teil populistischen und latent fremdenfeindlichen Äußerungen kritisiert.