
Annegret Kramp-Karrenbauers Amtszeit als vereidigte Verteidigungsministerin beginnt mit einem Provisorium. Für die Vereidigungszeremonie kam der Bundestag außerplanmäßig aus seiner Sommerpause zusammen und traf sich nicht wie gewohnt im Reichstagsgebäude, sondern im angrenzenden Paul-Löbe-Haus.

In dem Funktionsbau sind neben einem Restaurant und der Besucherbetreuung auch Büros von Abgeordneten untergebracht. Außerdem treffen sich die Ausschüsse dort.

Der ungewöhnliche Tagungsort ist notwendig, da die Vereidigung der neuen Ministerin schnell über die Bühne gehen sollte, der Plenarsaal im Reichstagsgebäude aktuell jedoch eine Baustelle ist. Unter anderem wird dort nach 20 Jahren ein neuer Teppichboden verlegt.

Kramp-Karrenbauer erbt das Amt der Verteidigungsministerin von Ursula von der Leyen. Die CDU-Politikerin hatte bereits vor ihrer erfolgreichen Wahl zur neuen EU-Kommissionspräsidentin angekündigt, in jedem Fall das Verteidigungsressort abgeben zu wollen.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble findet den Vorgang der Sondersitzung in der Sommerpause nicht wirklich außergewöhnlich. "Das musste ja gleich geschehen, denn wir können ja nicht den Sommer über keinen Verteidigungsminister haben", sagte er im ZDF. In Bezug auf die eigentlich sitzungsfreie Zeit sagte Schäuble: "Man hat ja nicht zwei Monate Urlaub, sondern man fährt dann mal in Urlaub. Aber da sind immer Sitzungen. Wir haben ja auch Sitzungen von Ausschüssen."

Bislang ist der Bundestag seit 1949 mehr als 50 Mal zu Sondersitzungen zusammengekommen, erstmals im August 1961 nach dem Berliner Mauerbau. Bei den Kosten für so eine Sondersitzung ging man in früheren Fällen von etwa 100 000 Euro aus. Vor allem schlagen Flugtickets zu Buche. Diese Ausgaben sorgten für Kritik. "Wir sind immer im Dienst - aber notwendig war das nicht. Kosten (und CO₂) hätte man gespart, wenn die Vereidigung von Annegret Kramp-Karrenbauer als Verteidigungsministerin im September erfolgt wäre", schrieb FDP-Fraktionschef Christian Linder auf Twitter.