Klausurtagung in Seeon Zwischen CDU und CSU soll vieles anders werden

"Wir wollen uns inhaltlich ergänzen": Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer mit Alexander Dobrindt in Seeon.

(Foto: REUTERS)
  • CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer blickt bei ihrem Besuch der CSU-Landesgruppe in Seeon auf ein neues Kapitel der Zusammenarbeit der beiden Parteien voraus.
  • Man werde ein spannendes Verhältnis zwischen CDU und CSU erleben, aber getragen von deutlich mehr Gemeinsamkeit als zuletzt.
  • Öffentliche Wehmut über ihre Wahl zur CDU-Vorsitzenden - und über die Niederlage ihres Konkurrenten Friedrich Merz - äußert niemand.
Von Nico Fried, Seeon

Man hört Alexander Dobrindt schon lachen, als er den Saal der Pressekonferenz noch gar nicht erreicht hat. Der Landesgruppenchef der CSU ist guter Laune, und das soll niemandem entgehen. Dobrindt kommt mit Annegret Kramp-Karrenbauer. Eine Weltpremiere sei das, sagt er, dass eine CDU-Vorsitzende auch auf der Abschlusspressekonferenz der Klausurtagung erscheine.

Hätte die Union einen Franz Müntefering, dann würde die Zusammenfassung des Besuchs von Kramp-Karrenbauer in Kloster Seeon wohl lauten: Landesgruppe gut, CDU-Chefin gut, Glückauf. Dobrindt und Kramp-Karrenbauer formulieren da etwas umständlicher, es ist viel von Herausforderungen die Rede, die man nun gemeinsam angehen wolle, von einer Balance zwischen Einigkeit und Debatte und von Unterschieden, die gar nicht zugedeckt, aber anders diskutiert werden sollen.

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In zwei Wochen soll Markus Söder zum CSU-Chef gewählt werden. Zur Vorbereitung inszeniert sich die Partei in Seeon so harmonisch wie lange nicht mehr. Allerdings nimmt ihr das kaum noch jemand ab.

Die Zukunft der Union, sie soll anders aussehen als die vergangenen Jahre, insbesondere das letzte Jahr 2018. "Wir wollen uns inhaltlich ergänzen", sagt Dobrindt. Differenzen sollen ausgetragen werden, aber in geordneter Form. Die Stärke der Union, sagt Kramp-Karrenbauer, sei es immer auch gewesen, sich nicht als "deckungsgleiche Parteien" zu präsentieren, sondern Unterschiede auch zu akzeptieren. Man werde auch weiterhin ein spannendes Verhältnis zwischen CDU und CSU erleben, aber getragen von deutlich mehr Gemeinsamkeit. Damit schaffe man "Reichweite", so die neue CDU-Chefin.

"Wir haben uns viel zugemutet", sagt Dobrindt

Es soll also sehr vieles anders werden. Und das muss es ja auch. Von einem "Blick in den Abgrund" hatte Kramp-Karrenbauer nach dem letzten schweren Zerwürfnis über die Asyl-Politik im vergangenen Sommer gesprochen. Der Abgrund, das wäre das Ende der Union von CDU und CSU, das Ende dessen, was nun immer wieder gerne als "Schicksalsgemeinschaft" beschworen wird. Vor den Abgeordneten der CSU habe sie, berichtet Kramp-Karrenbauer, nun aber auch die Hoffnung geäußert, dass es ein "heilsamer Blick" gewesen sei.

Dobrindt findet zwar das Bild mit dem Abgrund nicht so glücklich, sagt aber auch: "Wir haben uns viel zugemutet." Und er fügt hinzu: Nicht das erste Mal, aber vielleicht auch nicht das letzte Mal." Als Drohung will er das aber sicher nicht verstanden wissen, denn eigentlich stehe "die wunderbare Verbindung" von CDU und CSU doch für eine "große Breite in der Abdeckung der Bevölkerung".

Am Freitagabend hatte die Landesgruppe die neue CDU-Chefin schon betont freundlich begrüßt. Kramp-Karrenbauer hatte extra ihren Urlaub unterbrochen und sich von Saarbrücken mit dem Wagen nach Oberbayern fahren lassen. Um 20.41 Uhr traf sie ein und wurde von Dobrindt mit Umarmung willkommen geheißen. Man trank vor laufenden Kameras Glühwein und aß Bratwurst. Es wurde gescherzt und gelacht und erstaunlich viel geduzt, Kramp-Karrenbauer ist in der CSU jedenfalls keine völlig Fremde. Beim örtlichen Bundestagsabgeordneten Peter Ramsauer bedankte sich die CDU-Vorsitzende für den schönen Schneefall. Was man so sagt, wenn's nett und locker wirken soll.

Später nahm Dobrindt Kramp-Karrenbauer noch mit zu einem ersten Gespräch mit Journalisten. Der Landesgruppen-Chef und die neue CDU-Vorsitzende kennen sich schon länger und haben seit einiger Zeit einen verlässlichen Draht miteinander. Man dürfte deshalb nicht ganz falsch liegen, wenn man auch aus der demonstrativen Innigkeit, die Dobrindt schon am ersten Abend mit Kramp-Karrenbauer pflegte, den Schluss zieht, dass mindestens der Chef der Landesgruppe nicht zu jenen CSUlern gehörte, die bei der Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz die Daumen gedrückt haben.

Öffentliche Wehmut ob des Ausgangs der Entscheidung in der CDU äußert bei der CSU in Seeon niemand mehr. Dobrindt ist bemüht, das Beschnuppern der neuen Chefin als Erfolg hinzustellen. Am Abend habe sie sich viel Zeit für Gespräche genommen. Das sei für das persönliche Kennenlernen "wohltuend und wichtig" gewesen. Und in der ausführlichen Debatte am Samstagvormittag habe man "viele, viele Gemeinsamkeiten entdeckt". Unterschiede, ja die gab es auch, aber über die wolle er nicht sprechen. Es sei ja ohnehin zu befürchten, dass sie früh genug sichtbar würden.

Die nächste Station der Wiederannäherung wird Kramp-Karrenbauers Besuch auf dem CSU-Parteitag in München sein. Dort soll Markus Söder am 19. Januar zum neuen CSU-Chef gewählt werden. Er und Kramp-Karrenbauer kennen sich nicht so gut wie Dobrindt und die CDU-Chefin. Der Kontakt bisher beschränkte sich aufs Telefon.

Am frühen Nachmittag machte sich Kramp-Karrenbauer wieder auf den Weg. Eigentliches Ziel: Saarland. Doch weil mittlerweile fast ein halber Meter Schnee lag, erwog Kramp-Karrenbauer, gleich nach Berlin zu fahren. Zu tun gibt es ja genug.

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