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Kosovos Premier Thaci in Nöten:Thaci will Marty verklagen

Die Anschuldigungen in dem Europaratsbericht kommen nur wenige Tage, nachdem Thaci in seinem Amt als Ministerpräsident bestätigt wurde - und bringen ihn nun bei der Regierungsbildung in Bedrängnis: Die serbische Minderheit, für die zehn Plätze im Parlament mit 120 Sitzen reserviert sind, erteilte einer möglichen Koalition mit Thacis Partei Demokratische Partei (PDK) eine Absage. "Ich bin sicher, dass es keinen Serben gibt, der in dieser Regierung sitzen wird", sagte Spitzenpolitikerin Rada Trajkovic von der Serbischen Einheitsliste im Belgrader TV-Sender B92. Eine Koalition mit dem Mann, der ein Mafiaboss sein soll, sei ausgeschlossen. Thaci wolle unbedingt wieder Regierungschef werden, um sich durch die Immunität vor Strafverfolgung zu schützen, sagte Trajkovic.

Thacis PDK hatte knapp 34 Prozent der Stimmen gewonnen und kann ebenso viele Sitze im Parlament beanspruchen. Fast alle Parteien hatten bei der staatlichen Wahlkommission jedoch Beschwerden wegen angeblich massiver Fälschungen durch die PDK eingereicht und eine Wiederholung der Abstimmung in wenigstens sieben Gemeinden verlangt. Die zweitplatzierte Partei Demokratische Liga (LDK) fordert sogar eine komplette Neuwahl. Die Wahlkommission sollte bis Donnerstagabend darüber entscheiden.

Thaci selbst hatte die Vorwürfe in dem Europarats-Bericht als haltlos zurückgewiesen. Der kosovarische Ministerpräsident kündigte rechtliche Schritte gegen Sonderermittler Marty an. Agenturberichten zufolge überlege Thaci außerdem, die britische Tageszeitung The Guardian, die den Bericht als erste publik machte, zu verklagen.