Die Wahl eines neuen Staatsoberhauptes im Balkanland Kosovo durch das Parlament ist gescheitert. Vor Ablauf einer aus der Verfassung ableitbaren Frist in der Nacht zum Freitag fanden sich in der Volksvertretung nicht genügend Abgeordnete ein, um den Wahlprozess zu starten, wie Medien in der Hauptstadt Pristina berichteten. Die amtierende Präsidentin Vjosa Osmani erklärte am Freitag das Parlament für aufgelöst. Zugleich begann sie Konsultationen mit den Parteien über einen Neuwahl-Termin innerhalb der nächsten 30 bis 45 Tage. Die linke Regierungspartei Vetevendosje (Selbstbestimmung) von Ministerpräsident Albin Kurti bezeichnete jedoch die Parlamentsauflösung durch Osmani als „verfassungswidrig“.
Tatsächlich herrschen unterschiedliche Ansichten darüber vor, wie die in der Verfassung enthaltenen Fristen für die Präsidentenwahl zu interpretieren sind. Nach Meinung von Vetevendosje und einiger Rechtswissenschaftler hätte das Parlament noch 60 Tage Zeit, um einen Nachfolger für Osmani zu wählen. In Pristina geht man davon aus, dass das Verfassungsgericht dazu ein wegweisendes Urteil sprechen wird. Osmanis fünfjähriges Mandat läuft am 4. April ab. Für die Wahl eines Nachfolgers schreibt die Verfassung die Anwesenheit von zwei Drittel der 120 Abgeordneten vor. Mit nur 66 Abgeordneten, die weitgehend dem Regierungslager entstammten, wurde das Quorum von 80 Abgeordneten deutlich verfehlt.
Die linke Regierungspartei Vetevendosje (Selbstbestimmung) von Ministerpräsident Albin Kurti hatte zwei Kandidaten aus den eigenen Reigen nominiert, ohne sich mit der Opposition abzustimmen. Diese sah sich übergangen und ließ deshalb ihre Abgeordneten nicht zur Wahl erscheinen. Käme es nun zu Neuwahlen, wäre dies die dritte Parlamentswahl in etwas mehr als einem Jahr. Die Wahl am 9. Februar 2025 gewann zwar Vetevendosje mit einer relativen Mehrheit, Parteichef Kurti fand aber keine Partner für eine Koalition. Die erneute Wahl am 28. Dezember brachte Vetevendosje genügend Mandate, sodass Kurti zum zweiten Mal in Folge Ministerpräsident werden konnte.