Das Sondergericht in Den Haag hat den ehemaligen kosovarischen Präsidenten Hashim Thaçi wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt. Der 58-Jährige wurde am Mittwoch unter anderem wegen Mordes, Folter und unrechtmäßiger Inhaftierung schuldig gesprochen. Die Taten wurden während des Konflikts um die Abspaltung Kosovos von Jugoslawien in den 1990er-Jahren begangen, als Thaçi Oberbefehlshaber der kosovo-albanischen Befreiungsarmee UÇK war.
Das Gericht erklärte, Thaçi habe sich aktiv an den Verbrechen beteiligt und diese unterstützt. Thaçi, der alle Vorwürfe zurückgewiesen hatte, verfolgte die Urteilsverkündung schweigend. Dem Urteil zufolge ist Thaçi für die Ermordung von 96 politischen Gegnern und mutmaßlichen Kollaborateuren der jugoslawisch-serbischen Sicherheitskräfte durch UÇK-Kräfte verantwortlich. Zudem wurde er wegen der willkürlichen Inhaftierung von 385 Menschen, der Folter von 303 Personen sowie der grausamen Behandlung von rund 50 weiteren Betroffenen verurteilt.
Das Urteil stieß in Kosovo auf heftige Proteste. In der Hauptstadt Pristina, wo Tausende die Entscheidung auf Großbildschirmen verfolgten, gab es Buhrufe und Sprechchöre für Thaçi. Auch vor dem Gerichtsgebäude in Den Haag versammelten sich Unterstützer mit UÇK-Fahnen. Thaçi gilt vielen Kosovo-Albanern als Held, während das Sondergericht im Land auf breite Ablehnung stößt. Die Folgen des Konflikts von 1998 bis 1999 und die Unabhängigkeitserklärung Kosovos im Jahr 2008 sorgen weiterhin für Spannungen zwischen Kosovo-Albanern und Serben.

