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Kosovo:Einfluss

Die EU muss Trump ausbremsen und hier endlich Präsenz zeigen.

Von Stefan Kornelius

Tut sich ein Amerikaner auf dem Balkan hervor, dann trägt er offenbar den Vornamen Richard. Der legendäre Diplomat Richard Holbrook erzwang den Frieden nach den Teilungskriegen der blutigen 90er-Jahre - eine der größten Verhandlungsleistungen nach dem Kalten Krieg. Sein unwürdiger Nachfolger Richard Grenell ist nun glücklicherweise mit einer Köpenickiade gescheitert. Der von ihm inszenierte Friedensgipfel zwischen Serbien und Kosovo ist geplatzt, weil dem kosovarischen Präsidenten Hashim Thaçi eine Anklage als Kriegsverbrecher ins Haus steht.

Das Motiv hinter Grenells Einsatz ist simpel: Er wollte die Kulisse für einen US-Truppenabzug vom Balkan schaffen, vor der Wahl. Dafür hätte die Regierung Trump einen höchst gefährlichen Landtausch zwischen Serbien und Kosovo und massive sino-russische Einflussnahme in der Region in Kauf genommen. Die mühseligen Befriedungs- und Anbindungsversuche der EU wären auf einen Schlag zerschossen worden.

Zweimal in nur einer Woche hat die US-Regierung damit gegen die Interessen der EU-Staaten gehandelt. Nach dem Truppen-Versprechen für Polen ist nun wenigstens die Kurzschlussaktion auf dem Balkan gescheitert - vorläufig. Die EU muss nun in höchster Eile und mit aller Macht ihren Einfluss an beiden Schauplätzen deutlich machen. Europa und seine Nachbarschaft dürfen sich in den hoffentlich letzten Trump-Wochen nicht durch die USA beschädigen lassen.

© SZ vom 27.06.2020

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