Kosovo Das Parlament beschließt eine neue Armee

Serbien sieht grollend auf die Pläne des kleinen Landes. Aber auch die Nato ist nicht erfreut.

Ungeachtet serbischer Drohungen hat das Parlament in Kosovo am Freitag den Aufbau einer eigenen Armee beschlossen. Alle 107 anwesenden der insgesamt 120 Abgeordneten stimmten am Freitag für die Einführung der 5000 Mann starken Truppe, die eine leicht bewaffnete Katastrophenschutz-Einheit mit 2500 Mitgliedern ersetzen soll. Die neue Armee erhält mit der Umwandlung ein "Mandat zur Verteidigung des Landes". Der Aufbau einer regulären Armee ist von besonderer Brisanz, weil ihretwegen die Spannungen auf dem Balkan 20 Jahre nach dem Aufbegehren der Kosovo-Albaner gegen die serbische Herrschaft wieder zunehmen könnten. Serbiens Ministerpräsidentin Ana Brnabić hatte Anfang Dezember gedroht, Kosovo könnte mit der Einführung einer Armee eine militärische Intervention provozieren. Vor zehn Jahren war Kosovo von Serbien unabhängig geworden, aber die Belgrader Regierung erkennt dies nicht an. Die USA lobten die Planung einer eigenständigen Armee Kosovos als historisch. Hingegen kritisierte die Nato, der Schritt sei bei den Bemühungen zur Schlichtung des weiter schwelenden Konflikts mit Serbien nicht hilfreich, er komme "zur Unzeit" teilte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Freitag zu dem Votum in Pristina mit. Deutschland appellierte an Serbien und Kosovo, Zurückhaltung zu üben und eine Eskalation zu vermeiden. Im Norden Kosovos, einem kompakten Siedlungsgebiet der Serben, beflaggten am Freitag viele Bewohner ihre Häuser und Geschäfte aus Protest mit serbischen Fahnen.