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Kosovo:Aus der Traum

Regierungschef Kurti stürzt durch ein Misstrauensvotum, vor allem aber wegen eines weltpolitischen Ränkespiels.

Als "Koalition der Hoffnung" ist das vor gut 50 Tagen in Kosovo gebildete Regierungsbündnis angetreten. Doch nun sind all die Hoffnungen zerstoben, die viele Menschen in der jungen und fragilen Republik in den Regierungschef Albin Kurti gesetzt hatten. Zu Fall gebracht wurde der 45-Jährige durch ein Misstrauensvotum im Parlament in Pristina - vor allem aber auch durch ein weltpolitisches Ränkespiel im Hintergrund. Denn die Fronten in diesem Machtkampf gehen nicht nur quer durchs Amselfeld, sondern auch mitten durch das westliche Bündnis.

Die Kosovaren hatten bei der jüngsten Parlamentswahl auf Kurti gesetzt, weil er ihnen den Kampf gegen die Korruption und den Filz der alten Kriegsfürsten aus der früheren Befreiungsarmee UÇK versprochen hat. Die USA jedoch haben ganz andere Prioritäten in der Region: Sie wollen die Erzfeinde Serbien und Kosovo zu einem schnellen Abkommen bewegen, auf dass der Ruf des Präsidenten Donald Trump als Friedensstifter durch den amerikanischen Wahlkampf hallt.

Kurti jedoch zeigte sich widerspenstig gegenüber Washington - und er zahlt dafür nun mit dem Machtverlust. Die Europäer konnten diesem üblen Spiel in ihrem Hinterhof nur machtlos zuschauen. Traurig ist das für Kosovo, und traurig auch für die EU-Außenpolitik.

© SZ vom 27.03.2020

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