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Korruptionsvorwürfe gegen Wulff:Filmleute und Kellnerin auf der Zeugenliste

Auf die Mitreise von Frau und Sohn habe Wulff aber nicht hingewiesen. Die Rechnung für den Hotelaufenthalt sei bei der Erstattung durch das Land kostenrechtlich wie ein Einzelzimmer behandelt worden. Da Wulff, wie die niedersächsische Staatskanzlei den Ermittlern mitgeteilt hatte, Wulff gewöhnlich bei der Abgrenzung von privaten und dienstlichen Anlässen eine "große Sensibilität" gehabt habe, sei der fehlende Hinweis auf Frau und Sohn bemerkenswert. Durch die Übernahme eines Teils der Hotelkosten durch Groenewold (insgesamt 400 Euro) seien die angeblichen "Unstimmigkeiten" verdeckt worden. Wenn Wulff alleine gereist wäre, so die Staatsanwaltschaft, hätte ein günstigeres Einzelzimmer gereicht.

Ob die Beweisführung der Ermittler, die durch Kleinigkeiten genährt wird und eher kleinlich wirkt, eine Große Strafkammer überzeugt oder nicht, wird sich zeigen. Neben Bettina Wulff und Hubert Burda gibt es ansonsten auf der Zeugenliste keine großen Namen mehr. Allein von der alten Belegschaft des Bayerischen Hofs im Herbst 2008 stehen neun Namen auf der Zeugenliste. Darunter Rezeptionistinnen, der Empfangschef, die Vize-Empfangschefhin, die Empfangssekretärin, die Chefin für Reservierungen sowie eine Auszubildende und auch das Kindermädchen, das sich damals um Linus Wulff gekümmert hatte. Groenewold hatte damals die Kosten für das Kindermädchen in Höhe von 110 Euro übernommen. Nach Groenewolds und Wulffs Darstellung soll der damalige niedersächsische Ministerpräsident, als er davon erfahren habe, Groenewold den Betrag sofort erstattet haben. Die Staatsanwaltschaft hingegen hat die 110 Euro in der Rechnung in der Anklage.

Die übrigen Zeugen sind drei ehemalige Leibwächter Wulffs, eine Kellnerin sowie ein Kellner, ein paar Leute vom Film und auch ein Abteilungsleiter der niedersächsischen Staatskanzlei.

Die Zeugenliste dokumentiert, was am Ende eines ungewöhnlich umfangreichen Ermittlungsverfahrens übrig geblieben ist.

© Süddeutsche.de/bön
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