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Korea-Konflikt:"Das verbrecherische Aussehen des Südens"

Die Halbinsel kommt nicht zur Ruhe: Während die südkoreanische Marine mit neuen "Routineübungen" beginnt, verhaftet Pjöngjang Hunderte Menschen, weil sie ausländische Filme gekuckt haben sollen.

Knapp zwei Wochen nach dem Angriff Nordkoreas hat die südkoreanische Marine neue Schießübungen an der Küste begonnen. Die mehrtägigen Artillerie-Übungen sollen in 29 Gebieten an der West-, Süd- und Ostküste abgehalten werden, darunter vor einer von fünf grenznahen Inseln im Gelben Meer, wie der Generalstab am Montag mitteilte. Ein Militärsprecher beschrieb sie als "Routineübungen".

People hold South Korean flags and shout for independence at an anniversary re-enactment in Seoul

Südkoreaner feiern ihre Unabhängigkeit - vor allem ihre Popkultur übt auf viele Nordkoreaner eine große Anziehungskraft aus.

(Foto: Reuters)

Nordkorea hatte am Wochenende vor den Manövern gewarnt. Noch keine Übungen finden zunächst um die Insel Yonpyong im Gelben Meer statt, die am 23. November unter Beschuss nordkoreanischer Artillerie geraten war. Zwei Soldaten und zwei Zivilisten waren dabei getötet worden.

Am Sonntag hatte Nordkorea über seine staatlichen Medien gewarnt, dass durch "provokative und wilde Aktionen" Südkoreas die Lage auf der Halbinsel außer Kontrolle geraten könnte. Südkoreas neuer Verteidigungsminister Kim Kwan Jin hatte das Nachbarland für den Fall einer neuen Aggression gewarnt, dass die südkoreanischen Streitkräfte schnell und kräftig reagieren würden, bis Nordkorea aufgebe. Auch hatte er angekündigt, Südkorea werde bei einem neuen Angriff sofort Kampfjets gegen das Nachbarland einsetzen.

Der chinesische Präsident Hu Jintao zeigt sich in einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama über die Lage auf der koreanischen Halbinsel tief besorgt. Wenn damit nicht richtig umgegangen werde, könne der Konflikt außer Kontrolle geraten, sagte Hu nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Obama erklärte nach Angaben der US-Regierung, man habe ein gemeinsames Interesse an Stabilität in der Region. Er forderte demnach China zur Zusammenarbeit auf. Man müsse Nordkorea klarmachen, dass die Provokationen untragbar seien.

"Vedorbener Geist"

Unterdessen sind in Nordkorea nach Angaben einer Exilantenorganisation mehr als 1000 Menschen verhaftet worden, weil sie südkoreanische Filme und Fernsehsendungen geguckt haben. Wie die nordkoreanische Organisation North Korea Intellectuals Solidarity (NKIS) am Montag in Seoul mitteilte, befinden sich die knapp 1200 Häftlinge im Gefängnis der Stadt Kaechon im Nordwesten des Landes.

Die Exilantenorganisation beruft sich dabei auf eine Quelle innerhalb des Gefängnisses. Das Regime in Pjöngjang versuche so, den Einfluss ausländischer Popkultur zurückzudrängen. Der Konsum ausländischer Filme und Musik ist in Nordkorea verboten, Verstöße werden NKIS zufolge mit zwei bis fünf Jahren Haft bestraft. Trotzdem gelangen nach Angaben der Organisation immer mehr CDs und DVDs vor allem aus China in das isolierte Land.

Pjöngjang habe im Januar eine spezielle Polizeieinheit gebildet, um Menschen mit einem "verdorbenen Geist" aufzuspüren. Vor allem die südkoreanische Popkultur übt auf viele Nordkoreaner eine große Anziehungskraft aus, wie nordkoreanische Exilanten und Medien in Südkorea berichten. Das Regime in Pjöngjang gehe deshalb gegen Frauen vor, die das "verbrecherische Aussehen des Südens" imitierten, meldete vergangenen Monat das in Seoul ansässige Internet-Magazin Daily NK.

© sueddeutsche.de/AFP/dpa/Reuters/juwe/woja

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