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Korallensterben:Zu spät

Das Great Barrier Reef stirbt, die Untätigkeit im Klimaschutz ist schuld.

Von Marlene Weiss

Es ist eine Sache, wenn vor etwas lange gewarnt wird. Es ist eine ganz andere, wenn es dann wirklich eintritt. Seit Langem weiß man, dass es Korallen im immer wärmeren Meer schlecht geht. In zu kurzer Abfolge finden die gefürchteten Bleichen statt, bei denen die Korallenpolypen im Hitzestress die Algen abstoßen, mit denen sie in Symbiose leben. Teile des Riffs können danach aussehen wie Unterwasserfriedhöfe; weiße, tote Korallenskelette, von Seetang überwachsen, statt des farbenfrohen Artenreichtums, der ein lebendes Riff ausmacht.

Selbst nach solchen Katastrophen kann sich ein Riff erholen, wenn sich neue Korallen ansiedeln, aber das braucht Zeit. Kommt die nächste Bleiche zu schnell, hat die Natur keine Chance. Forscher haben jetzt dokumentiert, dass am größten Riff der Erde, dem Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens, nach den Bleichen der vergangenen Jahre vielerorts mehr als die Hälfte der Korallen verschwunden ist. Fast alle Arten haben Verluste erlitten, und mangels Elternkorallen gibt es viel zu wenige neue, junge Exemplare.

Sogar dieses riesige, stabile Ökosystem ist wehrlos, wenn der Klimawandel zuschlägt. Man musste damit rechnen, nun sieht man, wie es passiert. Was immer die globalen Klimaschutz-Anstrengungen bringen: Für die Korallen kommt es wohl zu spät.

© SZ vom 15.10.2020
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