Kopf-an-Kopf-Rennen in Florida Obama und Romney auf dem Highway zur Hölle

Florida ist Amerika im Kleinen: Im Kampf um 29 Wahlmänner-Stimmen müssen Obama und Romney nicht nur sonnenhungrige Rentner überzeugen, sondern auch um Latinos und Unternehmer werben. Momentan liegt der Republikaner vorn und so sind die Kandidaten und deren Ehefrauen nahezu täglich entlang der Interstate 4 zwischen Tampa und Orlando unterwegs.

Von Matthias Kolb, Tampa

"Wright's Gourmet House" ist eine Institution in Tampa. Bereits sechs Mal hat der Familienbetrieb den Preis für das beste Cuban Sandwich der Region gewonnen und wegen der Torten fahren viele Kunden meilenweit. In dieser Woche jedoch dreht sich am South Dale Mabry Highway alles um eine blonde Frau, die aus einem riesigen silbernen Bus klettert: Mit zwei Enkeln und einer ebenfalls blonden Schwiegertochter schaut Ann Romney bei Wright's vorbei.

Die 63-Jährige trägt eine weiße Bluse zu türkisfarbener Hose, winkt den Passanten vor dem Eingang zu und betritt das Lokal. Dort bestellt sie einen Caesar Salad mit Huhn und setzt sich zu Wählern an einen eckigen Tisch. Eine junge Mutter, deren Mann in Afghanistan stationiert ist, spricht über diese Belastung für das Familienleben und ein College-Student klagt über schlechte Job-Aussichten. Ann Romney nickt verständnisvoll: "Solche Geschichten höre ich leider oft. Wir können es kaum erwarten, bis Mitt am 20. Januar ins Weiße Haus einzieht." Die Botschaft der fünffachen Mutter: Wählt meinen Mann, dann bringt er Amerikas Wirtschaft wieder in Schwung.

Es sind nur 100 Gäste, die Ann Romney in "Wright's Gourmet House" zuhören, doch diese Stopps seien äußerst effektiv, sagt Susan MacManus, Politik-Professorin der University of South Florida. Die Region um Tampa ist Floridas größter Medienmarkt und alle Lokalsender berichten über den Besuch. Um den Kameras ein schönes Motiv zu geben, hält der Tross von Obama auch mal fünf Minuten lang bei einer Feuerwache in Tampa, damit der Präsident den Feuerwehrmännern als Dank für deren Arbeit Donuts bringen kann.

"Florida ist ein swing state, aber entlang der Interstate 4 zwischen Tampa und Orlando entscheidet sich, ob Obama oder Romney gewinnt", erklärt MacManus. Ein Kollege habe den passenden Namen für die Schnellstraße gefunden, in deren Korridor 43 Prozent der 11,2 Millionen in Florida registrierten Wähler wohnen, scherzt die Politologin: "Es ist der Highway in den Himmel - oder in die Hölle." Es sei ein beliebtes Klischee, dass in Florida nur Rentner leben würden, meint MacManus. In Wahrheit sei die Gesellschaft sei viel vielfältiger und ändere sich ständig.

Amerikas mächtigste Wählergruppen

Die politische DNA der USA

Die Strategen konzentrieren sich auf den I-4-Korridor, weil sich der Rest des Staates festgelegt hat: Während Romney im Norden vorn liegt, ist Obama in den Regionen um Miami, Fort Lauderdale und Palm Beach äußerst beliebt. Anders sieht es etwa im Hillsborough County aus, in dem Tampa liegt: 2004 stimmten mehr als 50 Prozent für Bush, während 2008 Obama knapp gewann (Hintergründe bei der Washington Post).

Also flog Obama zwei Tage nach einem Auftritt in Delray Beach (mehr im Wahlblog) am Donnerstag wieder nach Tampa und wird am Montag in Orlando seine Anhänger auffordern, ihre Stimmen sofort abzugeben. Die Strategie des Präsidenten ist simpel: Zwischen dem 27. Oktober, dem Beginn des early voting, und dem 3. November braucht er einen großen Vorsprung, um sich Floridas 29 Wahlmänner-Stimmen zu sichern. Romney, der den Samstag rund um den Interstate 4 verbrachte, richtet ähnliche Appelle an die Republikaner. Beide wissen, dass derjenige diese knappe Wahl gewinnt, der seine Anhänger besser mobilisieren kann.