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Konzerne kämpfen gegen Metall-Diebe:Altes Eisen, heiß begehrt

Sie rücken mit dem Lieferwagen an und erbeuten tonnenweise Material: Metall-Diebstähle haben drastisch zugenommen, seit die Rohstoffpreise in die Höhe geschossen sind. Am schlimmsten betroffen ist die Deutsche Bahn. Jetzt wollen die Unternehmen gegen die Diebe vorgehen.

Manchmal haben Diebe wirklich Pech. Wie kürzlich, als sie in einen Schacht der Telekom geklettert waren, um Kupferkabel und Leitungen zu stehlen. Dumm nur, dass just an diesem Tag zwei Techniker auf dem Weg zu eben jenem Schacht waren. Als sie feststellten, dass er offen war, stellten sie kurzerhand ihr Auto über dem Einstiegsloch ab - und alarmierten die Polizei.

Bußgelder gegen Schienenlieferanten

Von Rohstoff-Diebstählen ist die Bahn auch deshalb so häufig betroffen, weil Schienen, Oberleitungen und Baustellen meist frei zugänglich sind.

(Foto: dpa)

Seit die Rohstoffpreise in die Höhe geschossen sind, haben Metall-Diebstähle drastisch zugenommen. EU-weit beläuft sich der Schaden nach Schätzungen von Ermittlern mittlerweile auf 8,5 Milliarden Euro. Und deshalb hat die Telekom beschlossen, jetzt Ernst zu machen - genau wie die Deutsche Bahn, der Energiekonzern RWE sowie der Verband Deutscher Metallhändler (VDM).

Um Metalldieben das Leben schwer zu machen, haben der Verband und die drei Unternehmen am Montag ein Abkommen für eine "Sicherheitspartnerschaft" geschlossen. Das heißt: Wenn eines der Unternehmen irgendwo Schäden feststellt, alarmiert es sofort die anderen Partner auf elektronischem Weg, damit diese ihre eigene Infrastruktur in der Region gezielt schützen können. Denn wer Kabel der Telekom klaut, ist im Zweifelsfall genauso scharf auf Leitungen von RWE oder der Bahn. Dabei ist die Telekom von den vier Partnern noch am wenigsten betroffen: 320-mal wurde sie im vergangenen Jahr Opfer von Buntmetall-Diebstählen. Bei RWE schlugen die Diebe 466-mal zu - und bei der Deutschen Bahn 3000-mal.

Betroffen sind vor allem die Kunden

Zusammengenommen haben die drei Unternehmen vergangenes Jahr einen Schaden von 20 Millionen Euro erlitten, wobei allein 15 Millionen Euro auf die Deutsche Bahn entfallen. Der unmittelbare Materialschaden sei jedoch nur die eine Seite, sagt Gerd Neubeck, der bei der Bahn für die Konzernsicherheit zuständig ist. "Besonders ärgerlich sind die Diebstähle vor allem für unsere Kunden, die zu leiden haben, weil Strecken blockiert sind oder Züge Verspätung bekommen." Wie Ende Juni, als die Bahn nach einem Metall-Diebstahl die Strecke von Hamburg nach Hannover acht Stunden lang sperren - und mehr als 100 Fern- und Güterzüge umleiten musste.

Die Bahn ist bei den Tätern deshalb so beliebt, weil ihre Infrastruktur meist offen daliegt. Schienen, Oberleitungen und Baustellen sind oft frei zugänglich. Deshalb hat der Konzern die Sicherheitsvorkehrungen erhöht: mit häufigeren Kontrollen, aber auch mit einer künstlichen DNA, die per Sprühpistole auf Kabel aufgetragen wird. Altmetallhändler, bei denen die Diebe die Ware loswerden wollen, können mit einer speziellen UV-Lampe erkennen, dass es sich um Diebesgut handelt.

Perfekt ausgerüstete kriminelle Banden

Doch diese Maßnahmen haben die Diebstähle nicht unterbunden. Zumal die Täter immer professioneller werden. Handelte es sich anfangs noch um Vater und Sohn, die mit Rucksäcken beladen auf rostigen Fahrrädern zum Tatort fuhren, so sind es jetzt meist perfekt ausgerüstete kriminelle Banden. Sie rücken mit dem Lieferwagen an und erbeuten gleich ganze Tonnen an Material.

Durch die neue Zusammenarbeit und den engen Austausch von Informationen erhoffen sich die Projektpartner mehr Schlagkraft: "Unser Ziel ist, den Rohstoffdiebstahl vom Ort des Geschehens bis in die Absatzkette hinein einzudämmen", sagt Neubeck.