Süddeutsche Zeitung

Konzernchefs:Wer worauf verzichten soll

VW-Chef Matthias Müller ist nur einer von vielen Großmanagern, die ihren moralischen Kompass verloren haben.

Nun reiht sich auch Matthias Müller ein in die Schar von Konzernchefs, denen der moralische Maßstab abhandengekommen ist. Der Volkswagen-Chef lädt die Verantwortung für die beispiellose Krise seines Unternehmens jetzt bei demjenigen ab, dem es seine Existenz überhaupt zu verdanken hat: dem Kunden. Dieser sei auf den eigenen Vorteil bedacht, wolle überall gleichermaßen für dreckige Diesel entschädigt werden und kaufe nicht genug saubere E-Autos.

Gut möglich, dass Müller sogar recht hat, dem Verbraucher eine gewisse Doppelmoral zu bescheinigen, wenn der zwar die Umwelt schützen, jedoch nicht viel zahlen will. Aber, bitte schön, mit welcher Berechtigung trägt Müller dieses Argument vor? Ausgerechnet er, der einen Konzern führt, der systematisch betrogen und gelogen hat, um seine Autos zu verkaufen, wirft der leistungsbereiten Mitte moralisches Versagen vor.

Besonders erschreckend ist, dass Müller nicht der einzige Konzernchef ist, der den Werten der Gesellschaft entrückt ist. Josef Ackermann, der frühere Vorstandschef der Deutschen Bank, schwärmte gerade von den tollen Zeiten, in denen die Bank ganz vorne dabei war. Selbstverständlich will er auf die damals vereinbarten Boni nicht verzichten, selbst wenn die Bank an den Spätfolgen des Zockens zu zerbrechen droht. Auf solche Chefs, die ohne Moral und Verantwortung führen, sollte das Land verzichten.

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Quelle:
SZ vom 21.11.2016
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