Ein schwer in Verruf gekommenes Haus: Das saudische Generalkonsulat in Istanbul, in dem 2018 der saudische Journalist Jamal Khashoggi ermordet wurde. (Foto: Lefteris Pitarakis/dpa)
Vertretung eines Staates in einem anderen Staat, zum Beispiel Irans, um eigenen Bürgern zu helfen. Eigentlich.
Wenig Poesie oder Aufregendes lässt sich auf den ersten Blick mit den Aufgaben eines Konsulats verbinden. Diese diplomatische Einrichtung eines Staates in einer größeren Stadt eines anderen Landes hat vor allem die Aufgabe, die eigenen Landsleute zu betreuen. Das betrifft Pass- und Visa-Angelegenheiten ebenso wie die Beglaubigung von Dokumenten, Rechtsauskünfte allgemeiner Art oder die Mithilfe bei Wahlen. Auf den zweiten Blick können die Aufgaben von konsularischen Mitarbeitern weit über das Administrative hinausgehen. Das zeigt aktuell etwa die Angst des deutschen Verfassungsschutzes vor Spionage, sollte Iran tatsächlich in Bonn ein neues Konsulat eröffnen. Aber auch die Ermordung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Generalkonsulat in Istanbul 2018 macht deutlich, dass es in den diplomatischen Vertretungen manchmal versteckte, dunkle Nebenaufgaben gibt. Dennoch bleiben Konsulate die Orte von poetischer Überhöhung und Träumen – zumindest auf der Visitenkarte. Wer etwa den Ehrentitel „Honorarkonsul“ trägt, erweckt sofort den Eindruck von besonderen diplomatischen Gaben. Allerdings zeigt das Leben von Hans-Hermann Weyer, der als „schöner Konsul“ Geschichte machte, dass solche Titel manchmal auch erkauft wurden. Der 2023 verstorbene Titelhändler gab an, Hunderte Honorarkonsulate gegen Bezahlung vermittelt zuu haben.
Das Mullah-Regime plant eine Vertretung am Rhein. Dabei hat Deutschland erst vor einem Jahr außer der Botschaft in Berlin alle Dependancen Teherans schließen lassen. Die Spionageabwehr äußert schwere Bedenken.