Konstituierende Sitzung des Bundestags Tag eins

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Konstituierende Sitzung des Bundestags

Beten und lachen

Norbert Lammert ist und bleibt Bundestagspräsident. In seiner Antrittsrede verspricht der CDU-Politiker, der kommenden Regierung auf die Finger zu schauen. Von seinen sechs Stellvertretern musste Claudia Roth über das Ergebnis hinweglachen.

631 Abgeordnete werden in der neuen Legislaturperiode über die Geschicke Deutschlands entscheiden. In ihrer ersten Sitzung sind sich die Alten und die Neuen im Bundestag noch ein wenig fremd, der Präsident wird emotional - und es gibt eine kurze hitzige Debatte.

Von Stefan Braun, Berlin

Was ist das für ein Plaudern und Reden und Lachen. Ein richtig lautes Hallo nach einer richtig langen Sommerpause. Als am Dienstagvormittag die Bundestagsabgeordneten - mal in Gruppen, mal in Grüppchen oder auch alleine - in den Plenarsaal des Bundestags einlaufen, muss man unweigerlich an einen Schulhof nach den großen Ferien denken. Die meisten nämlich sehen entspannt aus, und die allermeisten haben sich ganz nach eigenem Geschmack fein rausgeputzt. Die einen, weil sie nach dem Wahlkampf und einer langen Sommerpause wieder auf alte Bekannte treffen; die anderen, weil sie zum ersten Mal dieses hohe Haus betreten.

Wirklich anders ist das auch auf dem Schulhof nicht gewesen, wenn die Alten lästernd die Neuen beäugen und die Neuen ein bisschen vorsichtig zu den Alten aufschauen. Dazu passt dann auch noch Volker Kauder, der Unionsfraktionschef. Er betritt den Plenarsaal dermaßen stolz und breitbeinig, dass wirklich niemand Zweifel hegen sollte, wer in dieser Legislaturperiode Chef auf dem Schulhof sein möchte.

Es ist Tag eins der neuen Legislaturperiode. 631 Abgeordnete werden in den kommenden vier Jahren über die Geschicke Deutschlands entscheiden. So jedenfalls sagt es die Theorie über den Einfluss und die Unabhängigkeit der Abgeordneten, an die wenig später der alte und neue Bundestagspräsident Norbert Lammert erinnern wird. Hier ist der Ort, hier wird entschieden - so will es Lammert. Und so sagt er das auch, laut und deutlich, seit nunmehr acht Jahren. Am Mittag wird seine dritte Amtszeit beginnen. Natürlich ist das der Tag, an dem er die Macht des Parlaments noch einmal besonders hervorhebt.

Roth und Schmidt überspielen mögliche Nervositäten

Jetzt freilich, kurz vor elf, ist davon noch nicht die Rede. Statt dessen plaudern viele alte Bekannte fröhlich-freundlich miteinander, machen Handyfotos, scherzen. Auch Frank-Walter Steinmeier und Thomas de Maiziere bilden so ein Plauder-Pärchen. Der eine war einst Vizekanzler, der andere Chef des Kanzleramtes. Wer weiß schon, was aus beiden wird in den nächsten Jahren, in denen sie wohlweislich wieder zusammen regieren.

Wenige Meter davon entfernt zupft Johannes Singhammer an seinem sehr schwarzen Anzug und der sehr gelben Krawatte. Er will schön sein, wenn am frühen Nachmittag seine Wahl zum stellvertretenden Parlamentspräsidenten ansteht. Andere, die das gleiche Ziel haben, Claudia Roth von den Grünen beispielsweise oder auch Ulla Schmidt, die Sozialdemokratin, überspielen mögliche Nervositäten, indem sie sich einfach gleich um den Hals fallen. Soll bloß keiner kommen und ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.

Wieder andere sind zwar wieder da, wissen aber noch gar nicht, wo sie künftig hingehören werden. Dazu zählt beispielsweise Annette Schavan, die ehemalige Bildungsministerin. Sie hat sich in die letzte Reihe zurückgezogen. Das schützt vor übertriebenen Freundlichkeitsgesten. Wobei, man muss das sagen, die Freundlichkeiten am ersten Tag einer Wahlperiode schon eine sehr große Rolle spielen.